 er so gelebt. Sein Vater hatte durch Fleiß und Frugalität ein ziemliches Kapital zurückgelegt; dahinein war, wie schon bemerkt ist, von unserm jovialischen dicken Manne etwas tief gegriffen worden; denn zu der Art, wie er lebte, konnten die Einkünfte der Manufaktur bei weitem nicht zureichen. Außerdem war die Manufaktur, aus Mangel des Absatzes, in den letzten Jahren nicht so stark gegangen; und Philipp blieb bei der Meinung, sie jetzt zu vergrößern müsse Schaden bringen, zumal da schon ein starker Vorrat an Tüchern auf dem Lager war. Seine Vorstellungen aber halfen nichts. Alles, was er über Anselm erlangen konnte, bestand darin, dass die schon beträchtliche Anzahl der Stühle nur mit einem Drittel vermehrt ward. Weniger konnte aber auch nicht geschehen. Denn Anselm fand, um seine künftig sich vergrössernde Haushaltung zu unterhalten, durchaus nötig, größere Geschäfte zu machen. Darauf ließ sich nun nichts weiter einwenden. Auch fand Anselm, mit seinem offenen Kopfe, sogleich Rat, sich von dem großen Vorrate der Waren loszumachen. Er gab seinen auswärtigen Abkäufern größeren Kredit als vorher und schickte einem Korrespondenten in Polen eine große Anzahl Stücke in Kommission. Auf diesen Gedanken war freilich Philipp nicht gekommen; und vielleicht wendete er bloß deswegen viel dawider ein, weil er einen so glücklichen Einfall nicht selbst gehabt hatte. Aber dem sei, wie ihm wolle! Das Warenlager ward nun in ein paar Monaten so aufgeräumt, dass dessen Umfang ferner keinen Grund gegen die Vergrößerung der Manufakturarbeiten abgeben konnte. Die Stühle würden also vermehrt, Vorrat von Wolle und Garn gekauft und eine Menge neuer Arbeiter angesetzt. Anselm war von der Richtigkeit und Notwendigkeit seiner Spekulation durch reifes Nachdenken überzeugt. Er konnte sich wahrlich nicht vorwerfen, leichtsinnig dabei zu Werke gegangen zu sein, da er manche Stunde darüber nachgedacht und jeden Zweifel des den Ideen seines Plans wirklich ziemlich furchtbaren Philipps mit einem Syllogismus beantwortet hatte. Nun konnte ihm Philipp die Prämissen keines einzigen derselben durch einen andern Syllogismus widerlegen; daher war er von der Wahrheit der Resultate so fest überzeugt, dass er sich nicht einen Augenblick bedachte, da sein barer Geldvorrat durch die wöchentliche Bezahlung so vieler Arbeiter bald erschöpft ward, zum Behufe der so heilsamen Vergrößerung seiner Manufaktur kurz nacheinander ein paar beträchtliche Kapitalien aufzunehmen.
Es gibt Kaufleute, griesgrämige magerbäckige Gesichter, welche für Spekulationen, wodurch der Handel bis ins Unendliche getrieben wird, keinen Sinn haben. Sie begnügen sich, ganz engherzig ihr eigenes Kapital oder wenig darüber in Umlauf zu bringen oder gar nur zu sorgen, es allenfalls mit einer geringen jährlichen Vermehrung zu erhalten. Diese werden nicht ermangeln, über unsern dicken Mann die Achseln zu zucken, dass er den größten Teil seines Vermögens teils auf übermäßigen Kredit weggab, teils gar in ein
