!« sagte Philipp lächelnd: »Auch nicht einmal beim heiligen Beine; du hättest nur nicht zu schnell freien und zu schnell traben sollen.« 
Fünfzehnter Abschnitt
Doktor Anselms dritter Versuch und dessen glückliche Folgen
Nun kam natürlich wieder ein kleiner Stillstand; denn Anselm war wirklich nicht nur noch schüchterner und noch vorsichtiger geworden, sondern seine Philosophie wendete sich auf einen andern Weg. Er fing an zu bedenken, dass der Ehestand gerade nicht der einzige Weg zum Glücke wäre, und beschloss nunmehr, gar nicht zu heiraten. Er sagte sich so manche Gründe dieses Entschlusses vor, dass er ihn für unveränderlich hielt. Indessen, da er täglich Zerstreuung haben musste, ritt und fuhr er fleißig nach Aachen und heftete seine Augen ferner auf jedes schöne Gesicht in der Meinung, dass er sie doch auf etwas heften müsse. Unvermerkt kamen ihm die Gedanken wieder, dass es doch gut sein würde, eine schöne Frau zu besitzen; aber so sehr er sich umsah, konnte er kein Frauenzimmer finden, welches nebst einem schönen Gesichte auch alle die andern Eigenschaften besaß, die er nun, da er das weibliche Geschlecht näher hatte kennen lernen und gewitzigt worden war, für diejenige Person verlangte, welche die Gefährtin seines Lebens werden sollte.
Anselm hatte einen Universitätsfreund namens Platter, der dort sein guter Kamerad gewesen war, zuweilen bei seinen philosophischen Disputationen, denen Platters lebhafter Witz oft eine andere Wendung gab, aber öfter bei lustigen Gesellschaften, die niemand besser beleben konnte als Platter. Dieser besaß ein sehr mässiges Vermögen, das er in den Universitätsjahren und im ersten Jahre darauf mit Lustigkeit verzehrt hatte; und da es verzehrt war, hatte er um nichts mehr Neigung zur Traurigkeit oder zum Arbeiten, welches ihm Traurigkeit und noch was Ärgers schien. Nichts hielt er für trübseliger, als ein Amt zu suchen und ein Amt zu verwalten; und da er die Welt schon genug kannte, um zu wissen, dass er in beiden Fällen sich tief bücken und sich nach Anderer Willen richten müsse: so wählte er eine Lebensart, bei welcher er zwar sich nach Anderer Willen zu richten hatte, aber ohne sich tief bücken zu dürfen. Er hing sich an reiche und vornehme lustige Leute und suchte, sich ihnen notwendig zu machen, indem er ihre Unterhaltungen und ihr Vergnügen besorgte. Er war die Seele ihrer Gesellschaften: nahm nichts übel, konnte singen, trinken, jedes Gespräch wieder anheben, welches unter den Schüsseln zu sinken begann, konnte Lustreisen anordnen, Spielpartien zusammenbringen, Spott ertragen, Zweideutigkeiten reden, in moralische Betrachtungen mit einstimmen und im Notfalle, wie es traf, wider die Religion und den Adel reden oder auch Betstunden beiwohnen, immer gefällig, das zu tun, was man wünschte. Es scheint
