 selbst nicht dazu so viel Neigung gehabt hätte, so würden ihn andere dazu gebracht haben. So gewiss sich auf einem faulen Baume Würmer finden, sich von seiner Zerstörung zu nähren, so gewiss finden sich zu einem reichen oder auch nur wohlhabenden jungen Menschen betriebsame Personen, welche auf sein Geld mancherlei Ansprüche zu haben meinen. Sie nehmen alle Gestalten an: sie studieren seine Schwäche, die ihre Stärke werden muss, sie sind unterhaltend, angenehm, widersprechen nicht und wissen der Schmeichelei oft ein solches Ansehen der Wahrheit zu geben, dass wohl klügere Leute könnten dadurch betrogen werden als junge reiche Burschen, die nach Vergnügen dürsten und das Geld nicht achten. Solchen lustigen Brüdern ward denn unser dicker Mann auch zur Beute und um so viel leichter, je sorgloser er vermöge seiner unerfahrnen Gutmütigkeit und eingebildeten Klugheit in ihre Netze lief. Er fiel in alle die Gruben, in die gewöhnlich reiche Jünglinge fallen. Er verlor Zeit, er verlor Geld und bei gesetzten Leuten Ehre. Er lernte, dass es falsche Freunde gäbe und so schlaue, dass sogar er könne von ihnen betrogen werden. Er lernte, dass Schönheit bei manchem Frauenzimmer oft nichts mehr ist als ein herrlich angemalter Weinkranz an einem Hause, worin man sehr mittelmäßigen Wein trinkt.
Er lernte dies alles; machte auch zuweilen, wenn er nicht guter Laune war, ganz artige moralische Betrachtungen darüber, aber weiter hatte er keinen Nutzen davon. Mit aller seiner vielen Philosophie und Moral blieben alle seine Torheiten, wie sie vorher waren. Nachdem ihn Philipp daran erinnert hatte, konnte er sich selbst nicht verhehlen, dass sein oftmaliger Aufenthalt in Aachen, dessen eigentlicher Zweck sein sollte, sich eine Frau zu suchen, um das höchste häusliche Glück in Vollkommenheit zu genießen, ihm nur Gelegenheit gab, lauter Dinge vorzunehmen, welche offenbar vom häuslichen Glücke weit abführten. Dennoch aber war er täglich da und handelte so unklug wie vorher; denn Müßiggang, Zerstreuung und sinnliche Ergötzungen hatten über ihn eine unwiderstehliche Gewalt.
Von falschen Vergnügungen gesättigt und durch plumpen Betrug gedemütigt, fing er bisweilen an, über die Eitelkeit der Freuden der Welt ganz artig zu philosophieren, auch wohl den Entschluss zu fassen, künftig weiser und vorsichtiger zu sein. Es geht aber oft den Jünglingen, die sich bessern wollen, wie den Menschen, welche auf sympatetische Kuren ihr Vertrauen setzen. Wenn diese einen bösen Schaden am Beine haben, so soll er dadurch geheilt werden, dass sie ein Schemelbein brennen oder verbinden lassen: eine bequeme Kur, welche ihrem eigenen lieben Beine Schmerzen ersparet, wodurch es aber auch nicht besser wird. Ebenso lässt der Jüngling, der es sich selbst insgeheim gestehen muss, dass er als ein Tor handle, bei seinem Vorhaben der Besserung seine Lieblingsneigung
