 ausführte, machte Theorien, die nie praktisch wurden, kam von einem aufs andere, bloß wie es ihm einfiel oder ihm eben Vergnügen machte, war Arzt, Dichter, Philosoph, weiser Mann, abwechselnd und ruckweise, und im Grunde keins von allem. Er wusste alles besser wie andere, wollte alles tun und tat nichts. Er suchte nur, seinen Willen zu haben und nach seiner Bequemlichkeit die Art seines Müssigganges zu wählen und abzuwechseln; und das hieß er, sein Vergnügen suchen. Denn schon fing er an zu fühlen, dass ein beständiges sinnliches Vergnügen einförmig wird und aufhört, Vergnügen zu sein. 
Elfter Abschnitt
Wie Philipp und Doktor Anselm miteinander wetteifern
Während dass der feurige Anselm in seiner unruhigen Untätigkeit von einem Gegenstande zum andern forttaumelte und weder sich selbst noch andern nützte, hatte sich der kalte Philipp nach und nach in eine ruhige und nützliche Tätigkeit gesetzt. Er war gewohnt, immer fleißig zu sein. Er hatte auf dem Philantropin und auf der Universität seine Zeit nützlich zugebracht. Es ist wahr, er hatte sich nicht, so wie Anselm, in die Tiefen der spekulativen Philosophie versenkt. Aber er hatte aus den Repetitionen anderer Kollegien, die für ihn um so lehrreicher wurden, je mehr Anselm davon versäumte, eine Menge nützlicher Dinge gelernt. Er hielt sich verpflichtet, dem Hause dankbar zu sein, wo er in so bedrängten Umständen aufgenommen und so wohl war beraten worden.
Ohne auf Befehl zu warten, nahm er sich freiwillig und mit Eifer aller Geschäfte an, die in der Manufaktur und in der Schreibstube vorfielen. Er schrieb eine schöne Hand, war in allen Arten von Rechnungen erfahren, hatte einen fähigen Kopf, um bald die wahre Art zu fassen, wie Geschäfte betrieben werden mussten, die ihm neu waren, und ausdauernden Fleiß, um sie mit Eifer und Treue zu verrichten. Meister Anton, der nun anfing, alt und schwächlich zu werden, genoss nach einiger Zeit von diesem jungen Menschen die kräftigste Unterstützung. Er bemerkte bald mit Vergnügen, dass er sich in allen Dingen auf ihn verlassen konnte. Er vertraute ihm daher die ganze Direktion der Manufaktur an und setzte ihm dafür einen beträchtlichen Gehalt aus.
Anselm freute sich über diese neue Einrichtung; denn er liebte seinen Freund Philipp. Aber einige Zeit nachher tat diese neue Einrichtung eine besondere Wirkung auf ihn. Er hatte bisher auf die Manufaktur und deren Geschäfte gar nicht Achtung gegeben. Jetzt aber war eben ein Zeitpunkt, wo in den Kurmonaten in Aachen keine neuen schönen Gesichter zum Vorschein gekommen waren und er derjenigen überdrüssig war, die er schon kannte. Der armen Kranken hingegen, welche seinen Rat und seine Arznei verlangten, kamen so viele, dass sie ihm lästig wurden. Er hatte sich
