, reisten nun Doktor Anselm, seine Disputation und sein Doktordiplom nach Vaals zurück. Er selbst näherte sich froh dem väterlichen Hause, nach seiner eignen Empfindung abmessend, wie seine Doktorschaft dort würde empfangen werden. Auch freute sich über ihn alles im Hause und in der Nachbarschaft. Er war jetzt ein recht hübsches Kerlchen geworden, mit runden frischen Wangen, mit wohlgenährtem Bauche, netten Waden, nach der Mode gekleidet, obendrein noch Doktor, witzig und gelehrt und künftig reich. Das alles wusste er und ließ merken, dass ers wusste. Er ward allenthalben bemerkt und wollte bemerkt werden. Er zeigte seine hübsche runde Figur allenthalben und schwatzte viel; aber freilich – tat er nichts. Dies ist Leuten vom Temperamente unsers dicken Mannes ziemlich gewöhnlich; denn sie lieben, was wenig Mühe kostet. Nun ists aber offenbar, dass es viel leichter ist, klug zu schwatzen, als etwas Kluges zu tun; daher auch die, welche sehr weise sprechen, wenn sie handeln wollen, oft viel von der guten Meinung verlieren, die sie durchs Sprechen erworben haben. Und dies widerfährt nicht allein dicken und runden Leuten, wie unser guter Anselm war, sondern auch langen und hageren, ohne Unterschied der Statur und Gesichtsfarbe, ohne Unterschied, ob sie braune oder gelbe oder schwarze oder rote oder graue Haare oder Knotenperücken tragen.
Wenn wir sagen, dass Doktor Anselm nichts tat: so soll dies nicht so verstanden werden, als wäre er ganz untätig gewesen; denn Untätigkeit widersprach seinem Charakter, der so lebhaft war als sein Körper feist. Nur tat er gerade nicht das, was er eigentlich hätte tun sollen, welches freilich auf gewisse Weise schlimmer war, als ob er gar nichts getan hätte.
Er hatte vielerlei zu tun. Er hatte sich selbst zu zeigen und sein liebes Ich geltend zu machen; ein weitläufiges Geschäft, womit manche Menschen ihr ganzes Leben zubringen. Er hatte schöne Gesichter anzuschauen und respektive ihnen nachzulaufen. Wir sagen: nachzulaufen; denn es ward ihm nun nicht mehr so leicht gemacht, dieser seiner Hauptbeschäftigung in seinem eignen Hause obliegen zu können. Sophie war in den drei Jahren herangewachsen, ein sehr liebenswürdiges und in mancher Augen fast vollkommenes Frauenzimmer geworden. Sie war vernünftig, sittsam, gutmütig, unterhaltend, freundschaftlich, wirtlich in einem noch höheren Grade wie vorher; und was mehr war, ihre Zuneigung zu Doktor Anselm hatte merklich zugenommen. Nur in ein paar Nebendingen hatte sie sich freilich geändert. Die Blattern hatten ihr schönes Gesicht verstellt, und sie hatte durch einen unglücklichen Fall die linke Schulter verrenkt, wodurch ihr schöner Wuchs etwas weniges gelitten hatte. Unser dicker Mann, der selbst wusste, wie schön er war, ergab sich auch nur der vollkommenen Schönheit;
