 schlau genug, dieselben nötigen, die Kinder bei den P. P. Jesuiten in die Schule zu schicken. Anselm hielt aber nichts von Jesuiten, selbst nicht, nachdem er den so gelehrten als aufgeklärten Abbé Spitzhaupt näher hatte kennen lernen. Um nun die Kinder in einer Schulgesellschaft zu erziehen, welches er der einsamen Privaterziehung weit vorzog, ward jenseits des Rheins, auf Pfälzischem Grunde, ein kleines Landgut gekauft, welches die Familie während dem schönsten Teile des Jahres bewohnte. Hier entstand unvermerkt ein wahres, nicht eingebildetes, Philantropin, weil die meisten protestantischen Familien aus Köln ihre Kinder dahin schickten. Hier arbeitete er und seine liebe Sophie an der Entwicklung der geistigen und körperlichen Kräfte der Kleinen, um sie unter Aufsicht würdiger Lehrer zu guten und brauchbaren Menschen zu bilden, und sie wurden doppelt glücklich durch ihre Liebe. Seine Manufakturkenntnisse nützte er, um für die Kinder im Dorfe eine Industrieschule anzulegen. Hier ward ihr Verstand, nach der Methode des edlen Rochow, zweckmäßige gebildet, und sie lernten zugleich unter Aufsicht von Frau Sophien, ihren Fleiß von der ersten Jugend an in Arbeiten zu üben, welche ihnen nützlich werden konnten und bis dahin in der dortigen Gegend lange nicht allgemein genug gewesen waren. Seine medizinischen Kenntnisse wendete er an, um nicht nur die Landleute zu besorgen, wenn sie krank waren, sondern auch, soviel möglich war, durch vernünftigen Rat, Krankheiten zu verhüten und nach und nach Vorurteile auszurotten, welche der Gesundheit schädlich sind, worauf er besonders schon in den beiden Schulen sein Augenmerk richtete.
So fand er nun sein Glück darin, dass alles in seinem Hause wohlging, dass außer seinem Hause, soweit sein natürlicher Wirkungskreis sich erstreckte, kein Armer ohne Arbeit, kein Hilfloser ohne Hilfe war und keine Träne floss, die er abtrocknen konnte. Kennt der Leser einen bessern Plan, das Leben froh zu genießen, für einen reichen Mann, der keine bestimmten Geschäfte hat, und auch für den, welchem bestimmte Geschäfte noch Zeit zum edlen Vergnügen lassen: so sag ers an. Nur setzt ein solcher Plan Kenntnisse und Eigenschaften des Geistes und des Herzens voraus, die nicht jeder reiche Mann besitzt, aber billig bemüht sein sollte, von seiner ersten Jugend an zu erwerben. Auch will ein solcher Plan nicht etwa bloß in der Einbildungskraft gefasst und zierlich beschrieben sein, sondern er muss mit Ernst und Ausdauern ausgeführt werden, wofern wirklich dadurch das Leben beglückt werden soll.
Diese ernste Ausführung guter Entschlüsse fehlte unserm Anselm in der ersten Hälfte seines Lebens. Daher half ihm sein guter Wille sehr wenig und seine besten Kräfte gingen verloren: weil er das Gute wirklich zu tun allzu leichtsinnig und allzu gemächlich war und sich mit schönem Sprechen und schönen Einbildungen begnügte. Fühlte er
