 eine Gestalt zu geben, die der Gegenteil sich nie hätte träumen lassen. Er gehörte zu der Art von Advokaten, die den Zahnärzten gleichen, deren Zähne am meisten zu kauen haben, wenn vielen andern Leuten die Zähne wehe tun. Also dachte er auch wenig daran, ob Witwen oder Waisen etwas verlören, wenn er eine Sache verdrehen konnte zum Besten eines reichen Mannes, der ihn gut bezahlte. Übrigens konnte er jedermann nach dem Munde reden, war in allen Gesellschaften lustig und unterhaltend und nahm es daher auch über sich, die ziemlich düstere Laune unsers guten dicken Mannes in etwas aufzuhellen. Er erzählte ihm viel von Köln, von den Veränderungen des Bureau d'Esprit der Frau Hummer, das er nach seiner Art lächerlich machte, auch vielerlei von Sophien und ihrem Manne, den er genau kannte, weil er ihm in einigen Rechtssachen bedient gewesen war und manches Maß Wein mit ihm ausgetrunken hatte. Er erzählte, dass derselbe aus Freude, seinen Vetter Anselm los zu sein, noch denselben Abend sich einen derben Rausch getrunken habe, welcher bald schlimme Folgen gehabt hätte; denn er hatte ihm, mit der Erhitzung der Reise zusammen, ein hitziges Fieber zugezogen. »Aber Unkraut vergeht nicht«, setzte Hiffer lachend hinzu, »er ist wieder gesund geworden und plagt seine Frau derber als jemals.«
Diese letzte Nachricht tat eine ganz widrige Wirkung auf unsern Anselm. Vergebens suchte Hiffer, hundert andere lustige Geschichten zu erzählen. Sophiens Lage verbitterte unserm dicken Manne alle Freude.
Hiffer, der die Geschichte nicht ohne Ursache erzählt hatte, fragte ihn, warum er das so zu Herzen nähme, und wusste durch mancherlei Umschweife, von Anselm seine vormaligen Familienumstände und die ganze Geschichte seiner Liebe zu Frau Sophien herauszuholen. Anselm hatte eine schwermütige Freude, seinen Kummer mitzuteilen und seine Reue, Sophiens Unglück veranlasst zu haben, auch gegen Hiffer zu zeigen. Er erzählte sogar, wie standhaft die edle Frau ihre traurige Lage ertrage, und zeigte das Bildnis, womit sie ihn beschenkt hatte. Hiffer ließ zwar manches Hm! und Ha! hören, gab ihm aber in allem recht, lobte ihn und Sophien und schimpfte auf den Mann. Dies heiterte unsern Anselm etwas auf, und sie schieden als die besten Freunde von einander. Ob Hiffer bei diesen Erkundigungen irgendeine besondere Absicht gehabt, wird sich vielleicht künftig zeigen. Jetzt diente er noch unserm Helden, ihm zu verschiedenen Bekanntschaften zu verhelfen in Häusern, wo ihn seine gerichtlichen Geschäfte bekannt gemacht hatten. In allen ward gespielt. Hiffer selbst liebte das Spiel und verteidigte es gegen Anselm: nicht die Torheit, sein Vermögen auf eine Karte zu setzen, sondern ein mässiges Spiel als einen Zeitvertreib und als ein Mittel, in den Gesellschaften
