 das Seltsame eines so zweideutigen Charakters zu deutlich, um ihn nicht zum Gegenstande einiger satirischer Züge zu nehmen. Er hatte kürzlich in der Gesellschaft der Frau Hummer eine Probe seiner Lobschrift auf den heiligen Engelbert, ehemaligen Erzbischof und jetzigen Patron der Stadt Köln, vorgelesen. Dieser ist, neben dem heil. Karl Borromäus, unter den vielen hundert Heiligen, welche den katholischen Kalender rot machen, einer von den wenigen, welche auch die Vernunft hätte kanonisieren können. Engelbert war ein Biedermann, der für das Wohl seiner Untergebenen uneigennützig sorgte, der die Armen gegen die Mächtigen beschützte und von den Guten allgemein geliebt ward. Wismut hatte, im Gegensatz dieses edlen uneigennützigen Heiligen, einen Mann voll egoistischer Prätension geschildert, worin viele der Zuhörer Züge vom Abbé Spitzhaupt zu erkennen glaubten. Aber, o Wunder! Abbé Spitzhaupt meinte sich in der gefühlvollen Schilderung, die von der Denkungsart des heil. Engelbert gemacht war, zu erkennen, bezeugte sein Wohlgefallen und nahm gütigst die Lobrede auf diesen für eine feine ihm von seinem Klienten gewidmete Schmeichelei auf.
Nächst dem Abbé Spitzhaupt war ein wichtiger Mann in dieser Gesellschaft der Herr von Trutahn, gewesener Kammerjunker eines apanagierten Prinzen im Reiche, und jetzt der gefällige Freund von einem Paar Domherren des gräflichen Domkapitels zur heil. Ursula. Er war untersetzt, pausbäckig und ernstaft, ein lange gedienter und im Dienste abgenutzter Hofmann, stolz auf einige brokatene Westen mit langen Schössen, auf eine ziegenhaarne Beutelperücke und auf seine abgeschiedene Hofcharge. Er war ein großer Bewunderer Friedrichs des Großen, wahrlich um so viel unparteiischer, da dieser eben nie ein Bewunderer der Kammerjunker gewesen ist. Er versicherte, sich einige Zeit in Berlin aufgehalten und vielen Umgang mit dem Könige gepflogen zu haben. Um dieses wahrscheinlich zu machen, hatte er sich gewöhnt, einige von ihm auswendig gelernte Einfälle und Gemeinplätze dadurch einzuleiten, dass er mit einem: le Roi m'a dit, versicherte, sie von Friedrich dem Großen selbst gehört zu haben. Dagegen war er auch so billig, verschiedene französische Madrigale und Epitres, die man ihm auf seinen Reisen als ungedruckte Werke Friedrichs des Großen aufgeheftet hatte, gelegentlich sowohl bei seinen Patronen, den Domherren, als in der Gesellschaft der Frau Hummer keck als seine Arbeit vorzulesen. Er war im Hause der Frau Hummer das Muster des feinen Geschmacks, sprach nichts als französisch mit einem etwas sauerländischen Akzente und machte zugleich in dieser Gesellschaft den Incredule, da er vermöge einer allgemeinen Dispensation an Festtagen Fleisch aß. Doch war er deswegen nicht weniger ein guter katholischer Christ; denn wenn seinen Patronen, den Domherren, von ihren Beichtvätern Rosenkränze abzubeten oder Wallfahrten nach Kanfelar, zum wundertätigen Bilde der Mutter Gottes, oder nach Milahten, zu den Reliquien des heil. Johannes,
