 Missmute mit dem menschlichen Leben, hatte er sich ein paar gute Pfründen zu verschaffen gewusst, die er, ohne viel Aufsehn zu machen, zu genießen verstand. Er sammelte eine Schar von Leuten um sich, die ganz in ihm lebten und zwischen denen er stand, beinahe wie der Messias unter seinen Jüngern, und von denen er ebenso verehrt werden wollte. Durch Hilfe derselben wusste er seine Pläne anzuspinnen und durchzusetzen, sich Einfluss zu verschaffen und seinen Beutel zu füllen, wozu er auch ziemliche Neigung hatte. Einige von diesen Jüngern erwarb er sich, weil er sich immer das Ansehen gab, er könne jedermann befördern; auch war er in der Tat, weil er sich sehr zu Großen und Mächtigen in aller philosophischen Demut zudrängte, wirklich zuweilen im Stande, jemandem, den er brauchte, wieder Dienste zu leisten. Andere hingen an ihm, bloß aus Gutherzigkeit und aus Achtung für seine Talente und Verdienste, so wie sie nun waren, welche er im vorzüglichsten Lichte zu zeigen und geltend zu machen noch besser verstand als irgendein anderer seines Ordens.
Unter seinen Anhängern der letztern Art waren sehr vorzüglich zwei, welche er auch, um sie zu belohnen, in die Gesellschaft der Frau Hummer einführte. Der eine, ein Kanonikus Ofen, Besitzer einer mittelmäßigen Pfründe, ein gutmütiger, geschickter und tätiger Mann, der den Abbé Spitzhaupt anbetete, nichts schrieb oder tat, was dieser nicht haben wollte, und sich allenfalls gefallen ließ, dass manche seiner guten Ideen für Eigentum des Abbé Spitzhaupt hingingen; daher ihn dieser sehr brauchen konnte und auch beständig brauchte. Kanonikus Ofen war ein mageres, schmächtiges, blasses Männchen, immer bescheiden und fleißig, und lebte nicht für sich, sondern für seinen Meister Abbé Spitzhaupt, der bei ihm nie Unrecht haben konnte.
Der andere Anhänger des Abbé, Herr Wismut, war ein Laie, ein Mann mittlerer Größe, dessen Gesicht, nebst seinem sanften Auge, den Biedermann verriet. Er war Sekretär eines Prälaten gewesen, hatte aber diese Stelle verlassen, weil er zwar gute, aber nicht ganz geistliche Gesinnungen hegte, und war daher bei dem geistlichen Offizialate eben nicht zum Besten angeschrieben. Ein heller Kopf, offenherzig und bieder. Die gute Seite des Abbé Spitzhaupt hatte ihn angezogen; auch war er ihm Dank schuldig, denn dieser, um sich eines Mannes zu versichern, der ihm nützlich werden konnte, hatte ihm die Stelle eines Rechnungsführers bei der Komturei des Deutschen Ordens zur heiligen Katarina in Köln verschafft. Aber Wismut hatte bei viel Müdigkeit der Sitten auch einiges Talent zur Satire. Er konnte Gleisnerei und Doppelzüngigkeit nicht wohl vertragen, lernte nach und nach den eigensüchtigen Charakter seines Gönners kennen, und obgleich seine Dankbarkeit unveränderlich blieb, so sah er doch
