 versagte und sonst schon große Summen weggeworfen hatte, während seines Aufenthaltes im Stifte jeden Kreuzer sorgfältig zu Rate hielt, so dass er bei seinem Abschiede beinahe sein ganzes Gehalt zurückgelegt hatte. Hierdurch war er im Stande, die Reise zu machen und einige Wochen in Frankfurt auf die frugalste Art zu leben. Aber eine Aussicht für ihn wollte sich nirgend finden. Seine geschäftige Einbildungskraft zeigte ihm jedoch eine. Die Messe fiel bald nach seiner Ankunft ein. Plötzlich fasste er den Gedanken, es werde leicht sein, unter so vielen fremden Buchhändlern sein Fortkommen zu finden. Er machte sich also schnell an die Arbeit, um gegen die Messe einige Schriften zu Stande zu bringen, welche Ware für den Platz sein möchten. Er sammelte vorzüglich seine sämtlichen Gedichte, um welche, wie er glaubte, bei dem jetzigen feinern Geschmacke am Schönen, die Verleger sich reißen würden. Er schrieb eine prosaische Abhandlung über das menschliche Elend, wozu der Stoff aus seinen Vorlesungen über den berühmten Karl von Karlsberg und die Beispiele aus seinen eigenen fehlgeschlagenen Hoffnungen hergenommen waren. Ferner eine gründliche gelehrte Verteidigung der Kantischen Kritik der Vernunft, worin er, mit Rücksicht auf seinen ehemaligen Streit mit dem Herrn von Reiteim, allen Anhängern der geheimen Philosophie und sogar dem berühmten Lavater derbe Seitenhiebe versetzte. Und auf allen Fall verdolmetschte er einen neuen französischen Roman.
Zu seiner großen Betrübnis verlangte aber kein einziger von allen zwanzig Frankfurter Buchhändlern seine Manuskripte, die er ihnen schon vor der Messe anbot; und zu seinem großen Erstaunen erschienen auf dieser berühmten Reichs- und Heermesse kaum zwölf fremde Buchhändler, bei denen vollends nichts anzubringen war. Von den Gedichten sagten alle einstimmig, ohne nur das Manuskript anzusehen, es möchte niemand mehr Gedichte lesen. Als er mit der Abhandlung vom menschlichen Elende zu dem berühmten Nachdrucker Schmieder aus Karlsruh kam, sah sie dieser aufmerksam durch und legte während dem Durchblättern, als ein Kenner des Werts der Bücher, dem Verfasser und dem Buche sehr viel Lob bei. Als aber der Verfasser wegen des Drucks seines Manuskriptes unterhandeln wollte, gab es der wohlweise Schmieder lächelnd zurück mit dem Beifügen, ein so gut geschriebenes Werk werde in Frankfurt gewiss einen Verleger finden, und alsdann werde er nicht ermangeln, es als einen Anhang des Karls von Karlsberg nachzudrucken. Er machte zugleich mit seiner, wie er selbst sagte, sehr schönen und sauberen Ausgabe dieses Buchs, auf eine verbindliche Weise, dem Verfasser der Abhandlung ein Geschenk, um ihn aufzumuntern, solche Bücher zu schreiben, die des Nachdruckens wert wären. Zu der philosophischen Abhandlung wollten sich auch keine Abnehmer finden. Einer der Buchhändler sagte: In seiner Gegend finde die Vernunft noch nicht Liebhaber, geschweige ihre Kritik. Ein anderer behielt das Manuskript zum Durchsehn und schrie, als
