 (sagte er mit
großer Ernsthaftigkeit) ist ein Punkt, worin die größten Geister und die größten
Schöpse zuweilen zusammentreffen. Wir wollen sehen!«
    Trasyllus lud den Arzt zur Tafel ein, und hatte die Höflichkeit, ihm die
feinsten Herren und die schönsten Frauen in der Stadt zur Gesellschaft zu gehen.
Aber Hippokrates, der ein kurzes Gesicht und keine Lorgnette48 hatte, wurde
nicht gewahr, dass die Damen schön waren; und so kam es denn (ohne Schuld der
guten Geschöpfe, die sich, zum Überfluss, in die Wette herausgeputzt hatten), dass
sie nicht völlig den Eindruck auf ihn machten, den sie sich sonst versprechen
konnten. Es war wirklich Schade, dass er nicht besser sah. Für einen Mann von
Verstande ist der Anblick einer schönen Frau allemal etwas sehr unterhaltendes.
Und wofern die schöne Frau etwas dummes sagt, (welches den schönen Frauen
zuweilen so gut begegnen soll als den hässlichen,) macht es einen merklichen
Unterschied, ob man sie nur hört, oder ob man sie zugleich sieht. Denn im
letzten Falle ist man immer geneigt, alles, was sie sagen kann, vernünftig, oder
artig, oder wenigstens erträglich zu finden. Da die Abderitinnen diesen Vorteil
bei dem kurzsichtigen Fremden verloren; da er genötigt war, von ihrer Schönheit
durch den Eindruck, den sie auf seine Ohren machten, zu urteilen: so war
freilich nichts natürlicher, als dass der Begriff, den er dadurch von ihnen
bekam, demjenigen ziemlich ähnlich war, den sich ein Tauber mittelst eines Paars
gesunder Augen von einem Koncerte machen würde. -
    »Wer ist die Dame, die jetzt mit dem witzigen Herrn sprach?« fragte er den
Trasyllus leise. - Man nannte ihm die Gemahlin eines Matadors der Republik. -
Er betrachtete sie nun mit neuer Aufmerksamkeit. Verzweifelt! (dacht er bei sich
selbst,) dass ich mir die verwünschte Austerfrau nicht aus dem Kopfe bringen
kann, die ich neulich vor meinem Hause zu Larissa mit einem molossischen
Eseltreiber scherzen hörte.
    Trasyllus hatte geheime Absichten auf unsern Aeskulap. Seine Tafel war gut,
sein Wein verführerisch, und zum Überfluss ließ er milesische Tänzerinnen kommen.
Aber Hippokrates aß wenig, trank Wasser, und hatte in Aspasiens Hause zu Athen
weit schönere Tänzerinnen gesehen. Es wollte alles nichts verfangen. Dem weisen
Manne begegnete etwas, das ihm vielleicht in vielen Jahren nicht begegnet war:
er hatte Langeweile, und es schien ihm nicht der Mühe wert, es den Abderiten zu
verbergen.
    Die Abderitinnen bemerkten also, ohne großen Aufwand von Beobachtungskraft,
was er ihnen deutlich genug sehen ließ; und natürlicher Weise waren die Glossen,
so sie darüber machten, nicht zu seinem Vorteil. Er soll sehr gelehrt sein,
flisterten sie einander
