 worden. Lässt
doch Homer die Götter selbst über einen weit weniger lächerlichen Gegenstand
über den hinkenden Vulcan, der aus der gutherzigen Absicht, Friede unter den
Olympiern zu stiften, den Mundschenken macht - in ein unauslöschliches Gelächter
ausbrechen! Aber das Vorgeben, dass Demokritus sich selbst freiwillig des
Gesichts beraubt habe, und die Ursachen, warum er es getan haben soll, dies
setzt auf Seiten derjenigen, bei denen es Eingang finden konnte, eine Neigung
voraus, die wenigstens ihrem Kopfe wenig Ehre macht.
    Und was für eine Neigung mag denn das sein, - Ich will es euch sagen, lieben
Freunde, und gebe der günstige Himmel, dass es nicht gänzlich in den Wind gesagt
sein möge!
    Es ist die armselige Neigung, jeden Dummkopf, jeden hämischen Buben für
einen unverwerflichen Zeugen gelten zu lassen, sobald er einem großen Manne
irgend eine überschwengliche Ungereimteit nachsagt, welche auch der
alltäglichste Mensch bei fünf gesunden Sinnen zu begehen unfähig wäre.
    Ich möchte nicht gerne glauben, dass diese Neigung so allgemein sei, als die
Verkleinerer der menschlichen Natur behaupten. Aber dies wenigstens lehrt die
Erfahrung: dass die kleinen Anekdoten, die man von großen Geistern auf Unkosten
ihrer Vernunft circulieren zu lassen pflegt, sehr leicht bei den Meisten Eingang
finden. Doch vielleicht ist dieser Hang im Grunde nicht sträflicher als das
Vergnügen, womit die Sternseher Flecken in der Sonne entdeckt haben? Vielleicht
ist es bloß das Unerwartete und Unbegreifliche, was die Entdeckung solcher
Flecken so angenehm macht? Außerdem findet sich auch nicht selten, dass die armen
Leute, indem sie einem großen Manne Widersinnigkeiten andichten, ihm (nach ihrer
Art zu denken) noch viel Ehre zu erweisen glauben; und dies mag wohl, was die
freiwillige Blindheit unsers Philosophen betrifft, der Fall bei mehr als einem
abderitischen Gehirne gewesen sein.
    »Demokritus beraubte sich des Gesichtes, sagt man, damit er desto tiefer
denken könnte. Was ist hierin so unglaubliches: Haben wir nicht Beispiele
freiwilliger Verstümmelungen von ähnlicher Art. Kombabus - Origenes -«
    Gut! - Kombabus und Origenes warfen einen Teil ihrer selbst von sich, und
zwar einen Teil, den wohl die meisten, im Fall der Not, mit allen ihren Augen,
und wenn sie deren soviel als Argus hätten, erkaufen würden. Allein sie hatten
auch einen großen Beweggrund dazu. Was gibt der Mensch nicht um sein Leben? Und
was tut oder leidet man nicht, der Günstling eines Fürsten zu bleiben, oder gar
eine Pagode zu werden? - Demokritus hingegen konnte keinen Beweggrund von dieser
Stärke haben. Es möchte noch hingehen, wenn er ein Metaphysiker oder ein Poet
gewesen wäre. Dies sind Leute, die zu ihrem Geschäfte des Gesichts entbehren
können. Sie arbeiten am meisten mit der Einbildungskraft,
