 aber alle hatten Mühe, die Freude zu verbergen,
die ihnen eine so unverhoffte Bestätigung ihrer Tugend verursachte; und wiewohl
sie, der Anständigkeit wegen, auf den Demokritus schmälen mussten, so war doch
keine, die ihn nicht dafür hätte umarmen mögen, dass er ihnen einen so guten
Dienst geleistet hatte. Freilich war dies nicht, was er gewollt hatte. Aber die
Folgen dieses einzigen unschuldigen Scherzes mochten ihn lehren, dass man mit
Abderiten nicht behutsam genug scherzen kann!
    Indessen (wie alle Dinge dieser Welt mehr als eine Seite haben) so fand sich
auch, dass aus dem Übel, welches unser Philosoph den Abderiten wider seine
Absicht zugefügt hatte, gleichwohl mehr Gutes entsprang, als man vermutlich
hätte erwarten können, wenn die Froschzungen gewirkt hätten. Die Männer machten
die Weiber durch ihre unbegrenzte Sicherheit, und die Weiber die Männer durch
ihre Gefälligkeit und gute Laune glücklich. Nirgends in der Welt sah man
zufriednere Ehen als in Abdera. Und bei allem dem waren die Stirnen der
Abderiten so glatt, und - die Ohren und Zungen der Abderitinnen so keusch, als
die von andern Leuten.
 
                              Dreizehntes Kapitel
         Demokritus soll die Abderitinnen die Sprache der Vögel lehren
            Im Vorbeigehen eine Probe, wie sie ihre Töchter bildeten
Ein andermal geschah es, dass sich Demokritus an einem schönen Frühlingsabend mit
einer Gesellschaft in einem von den Lustgärten befand, womit die Abderiten die
Gegend um ihre Stadt verschönert hatten.
    »Wirklich verschönert?« - Dies nun eben nicht: denn woher hätten die
Abderiten nehmen sollen, dass die Natur schöner ist als die Kunst, und dass
zwischen künsteln und verschönern ein Unterschied ist? - Doch davon soll nun die
Rede nicht sein.
    Die Gesellschaft lag auf weichen mit Blumen bestreuten Rasen, unter einer
hohen Laube, im Kreise herum. In den Zweigen eines benachbarten Baums sang eine
Nachtigall. Eine junge Abderitin von vierzehn Jahren schien etwas dabei zu
empfinden, wovon die übrigen nichts empfanden. Demokritus ward es gewahr. Das
Mädchen hatte eine sanfte Gesichtsbildung und Seele in den Augen. Schade für
dich, dass du eine Abderitin bist! dacht' er. Was sollte dir in Abdera eine
empfindsame Seele? Sie würde dich nur unglücklich machen. Doch es hat keine
Gefahr! Was die Erziehung deiner Mutter und Großmutter an dir unverdorben
gelassen hat, werden die Söhnchen unsrer Archonten und Prytanen, und, was diese
verschonen, wird das Beispiel deiner Freundinnen zu Grunde richten. In weniger
als vier Jahren wirst du ein Abderitin sein wie die andern; und wenn du erst
erfährst, dass eine Froschzunge auf dem Herzgrübchen nichts zu bedeuten hat -
    Was denken Sie, schöne Nannion? sagte Demokritus zu dem Mädchen.
    »Ich denke, dass ich mich dort unter die Bäume setzen möchte,
