 zu Abdera so nannte, in seinem Hause. Der
gute Mann glaubte, man finde so viel Vergnügen an seinem Umgang, und an den
Versen, die er seinen Besuchen vorzulesen pflegte. In der Tat hatte er das
Talent, die schlechten Verse, die er machte, nicht übel zu lesen; und weil er
mit vieler Begeisterung las: so ward er nicht gewahr, dass seine Zuhörer, anstatt
auf seine Verse Acht zu geben, mit der schönen Tryallis liebäugelten.
    Kurz, der Ratsherr Smilax war ein Mann, der eine viel zu gute Meinung von
sich selbst hatte, um von der Tugend seiner Gemahlin eine schlimme zu hegen.
    Er bedachte sich also keinen Augenblick, dem Geheimnis des Demokritus sein
Ohr darzubieten.
    Es ist weiter nichts, flüsterte ihm der Philosoph ins Ohr, als die Zunge
eines lebendigen Frosches, die man einer schlafenden Dame auf die linke Brust
legen muss. Aber Sie müssen sich beim Ausreissen wohl in Acht nehmen, dass nichts
von den daranhängenden Teilen mit geht, und der Frosch muss wieder ins Wasser
gesetzt werden.
    »Das Mittel mag nicht übel sein, sagte Smilax leise; nur Schade dass es ein
wenig bedenklich ist! Was würde der Priester Strobylus dazu sagen?«
    Sorgen Sie nicht dafür, versetzte Demokritus: ein Frosch ist doch keine
Diana, der Priester Strobylus mag sagen was er will. Und zudem geht es dem
Frosche ja nicht ans Leben.
    »Ich darf es also weiter geben?« fragte Smilax.
    Von Herzen gerne! alle Mannspersonen in der Gesellschaft dürfen es wissen;
und ein jeder mag es ungescheut allen seinen Bekannten entdecken; nur mit der
Bedingung, dass es keiner weder seiner Frau noch seiner Geliebten wieder sage.
    Die guten Abderitinnen wussten nicht was sie von der Sache glauben sollten.
Unmöglich schien sie ihnen nicht; und was sollte auch Abderiten unmöglich
scheinen? - Ihre gegenwärtigen Männer oder Liebhaber waren nicht viel ruhiger;
jeder setzte sich heimlich vor, das Mittel ohne Aufschub zu probieren, und jeder
(den glücklichen Smilax ausgenommen) besorgte, gelehrter dadurch zu werden als
er wünschte.
    »Nicht wahr, Männchen - sagte Tryallis zu ihrem Gemahl, indem sie ihn
freundlich auf die Backen klopfte, du kennst mich zu gut, um einer solchen Probe
nötig zu haben?«
    »Der meinige sollte sich so etwas einfallen lassen, sagte Lagiska. Eine
Probe setzt Zweifel voraus, und ein Mann, der an der Tugend seiner Frau zweifelt
-«
    - Ist ein Mann, der Gefahr läuft, seine Zweifel in Gewissheit verwandelt zu
sehen, setzte Demokritus hinzu, da er sah, dass sie einhielt. Das wollten Sie
doch sagen, schöne Lagiska?
    »Sie sind ein Weiberfeind, Demokritus, riefen die Abderitinnen allzumal
