
und Ihre Fassade hingesetzt sind?
    »Diese Häuser stunden lange eh Sie und ich geboren wurden«, sagte der
Archon.
    Dergleichen Dialogen gab es, so lange der Philosoph unter ihnen lebte, alle
Tage, Stunden und Augenblicke.
    »Wie finden Sie diesen Purpur, Demokritus? Sie sind zu Tyrus gewesen; nicht
wahr?«
    Ich wohl, Madame, aber dieser Purpur nicht; dies ist Koccinum, das Ihnen die
Syrakusaner aus Sardinien bringen und für tyrischen Purpur bezahlen lassen.
    »Aber wenigstens werden Sie doch diesen Schleier für indianischen Byssus von
der feinsten Art gelten lassen?«
    Von der feinsten Art, schöne Atalanta, die man in Memphis und Pelusium
verarbeiten lässt.
    Nun hatte sich der ehrliche Mann zwo Feindinnen in Einer Minute gemacht.
Konnte aber auch was ärgerlicher sein, als eine solche Aufrichtigkeit?
 
                                 Achtes Kapitel
           Vorläufige Nachricht von dem abderitischen Schauspielwesen
             Demokritus wird genötigt, seine Meinung davon zu sagen
Die Abderiten wussten sich sehr viel mit ihrem Theater. Ihre Schauspieler waren
gemeine Bürger von Abdera, die entweder von ihrem Handwerke nicht leben konnten,
oder zu faul waren, eines zu lernen. Sie hatten keinen gelehrten Begriff von der
Kunst, aber eine desto größere Meinung von ihrer eignen Geschicklichkeit; und
wirklich konnt' es ihnen an Anlage nicht fehlen, da die Abderiten überhaupt
geborene Gaukler, Spassmacher und Pantomimen waren, an denen immer jedes Glied
ihres Leibes mitreden half, so wenig auch das, was sie sagten, zu bedeuten haben
mochte.
    Sie besaßen auch einen eignen Schauspieldichter, Hyperbolus genannt, der,
wenn man ihnen glaubte, ihre Schaubühne so weit gebracht hatte, dass sie der
ateniensischen wenig nachgab. Er war im Komischen so stark als im Tragischen,
und machte überdies die possierlichsten Satyrenspiele18 von der Welt, worin er
seine eignen Tragödien so schnakisch parodierte, dass man sich, wie die Abderiten
sagten, darüber bucklicht lachen musste. Ihrem Urteile nach vereinigte er in
seiner Tragödie den hohen Schwung und die mächtige Einbildungskraft des
Aeschylus mit der Beredsamkeit und dem Patos des Euripides, so wie in seinen
Lustspielen des Aristophanes Laune und mutwilligen Witz mit dem feinen Geschmack
und der Eleganz des Agaton. Die Behendigkeit, womit er seiner Werke entbunden
wurde, war das Talent, worauf er sich am meisten zu gute tat. Er lieferte jeden
Monat seine Tragödie, mit einem kleinen Possenspielchen zur Zugabe. Meine beste
Komödie, sprach er, hat mich nicht mehr als vierzehn Tage gekostet, und
gleichwohl spielt sie ihre vier bis fünf Stunden wohlgezählt.
    Da sei uns der Himmel gnädig! dachte Demokritus.
    Nun drangen die Abderiten immer von allen Seiten in ihn, seine Meinung von
ihrem Theater zu sagen; und so ungern er sich mit ihnen über ihren Geschmack in
Wortwechsel einließ, so konnt
