 sei etwas, woran man allenfalls zweifeln könnte, ohne sich eben
darum an Jupitern oder Latonen zu versündigen. Es möchte aber auch damit sein
wie es wollte, so sei es doch ungereimt, aus Devotion gegen die schöne Latona,
die ganze Stadt und Republik Abdera zu einer Froschpfütze zu machen« - und was
dergleichen Behauptungen mehr waren, die, so simpel und vernunftmässig sie uns
heutiges Tages vorkommen, zu Abdera gleichwohl, zumal in den Ohren der
Latonenpriester, sehr übelklingend gefunden wurden, und dem Philosophen Korax
und seinen Anhängern den verhassten Namen Batrachomachen oder Gegenfröschler
zuzogen; ein Titel, dessen sie sich jedoch um so weniger schämten, weil es ihnen
gelungen war, beinahe die ganze junge und schöne Welt mit ihren freien Meinungen
anzustecken.
    Die Priester des Latonentempels und das Kollegium der Froschpfleger
ermangelten nicht, bei jeder Gelegenheit ihr Missfallen an dem mutwilligen Witze
der Gegenfröschler zu zeigen; und der Oberpriester Stilbon vermehrte, aus dieser
Veranlassung, sein Buch von den Altertümern des Latonentempels mit einem großen
Kapitel über die Natur der Latonenfrösche. Indessen hatten sie einen sehr
wesentlichen Beweggrund, es dabei bewenden zu lassen; und dieser war: dass,
ungeachtet der freigeisterischen Denkart über die Frösche, welche Korax in
Abdera zur Mode gemacht hatte, nicht ein einziger Froschgraben in und um die
Stadt weniger zu sehen war als zuvor. Der Philosoph Korax und seine Anhänger
waren schlau genug gewesen, zu merken, dass sie sich die Freiheit, »von den
Fröschen überlaut zu denken, was sie wollten«, nicht wohlfeiler erkaufen
könnten, als wenn sie es, was die Ausübung betraf, gerade eben so machten, wie
alle andre Leute. Ja, der weise Korax, als derjenige, auf den man am meisten
Acht gab, hatte für schicklich angesehen, lieber zu viel als zu wenig zu tun;
und also, gleich nach seiner Aufnahme in die Akademie, auf seinem angeerbten
Grund und Boden einen der schönsten Froschgräben in ganz Abdera angelegt, und
mit einer beträchtlichen Menge schöner wohlbeleibter Frösche aus dem geheiligten
Teich besetzt, wovon er den Priestern jedes Stück mit vier Drachmen bezahlte.
Dies war eine Höflichkeit, für welche diese Herren, so wenig sie sich ihm auch
sonst dafür verbunden halten mochten, doch, um des guten Beispiels willen, nicht
umhin konnten, dankbar zu scheinen; zumal da diese nämliche Handlung des
sogenannten Philosophen hinlänglichen Vorwand gab, diejenigen, die sich an
seinen freien Meinungen und witzigen Einfällen hätten ärgern mögen, zu
überzeugen, dass es ihm nicht Ernst damit sei. Seine Zunge ist schlimmer als sein
Gemüt pflegten sie zu sagen; er will dafür angesehen sein, als ob er zu viel
Witz hätte, um zu denken wie andre Leute; aber im Grunde ists bloße Ziererei.
Wenn
