 war, ob es Frösche
oder Eulen oder Hammelsfelle seien, was ihm die freieste und sicherste
Befriedigung seiner Lieblingsleidenschaften gewährte.
    Diesemnach also, und um sich auf die wohlfeilste Art bei dem Volke im
Ansehen und Einfluss zu erhalten, verbannte er bald nach Endigung des
Schattenkriegs nicht nur die Störche, über welche die Froschpfleger Klage
geführt hatten, aus allen Gerichten und Gebieten des Jasontempels; sondern trieb
die Gefälligkeit gegen seine neuen Freunde so weit, dass er mitten auf einer
Esplanade (die einer seiner Vorfahren zu einem öffentlichen Spazierplatz
gewidmet hatte) einen Kanal graben ließ, und sich zu Besetzung desselben auf
eine sehr verbindliche Art einige Fässer mit Froschlaich aus dem geheiligten
Teiche von dem Oberpriester Strobylus ausbat; welche ihm denn auch, nach einem
der Latona gebrachten feierlichen Opfer in Begleitung des ganzen abderitischen
Pöbels mit großer Feierlichkeit zugeführet wurden.
    Von diesem Tage an war Agatyrsus der Abgott des Volks, und ein
Froschgraben, zu rechter Zeit angelegt, verschafte ihm, was er sonst mit aller
Politik, Wohlredenheit und Freigebigkeit nie erlangt haben würde. Er herrschte,
ohne die Ratsstube jemals zu betreten, so unumschränkt in Abdera als ein König;
und weil er den Ratsherren und Zunftmeistern alle Wochen zwei- oder dreimal zu
essen gab, und ihnen seine Befehle nie anders als in vollen Bechern von
Chierwein insinuierte: so hatte niemand etwas gegen einen so liebenswürdigen
Tyrannen einzuwenden. Die Herren glaubten nichts destoweniger auf dem Ratause
ihre eigne Meinung zu sagen, wenn ihre Vota gleich nur der Widerhall der
Schlüsse waren, welche Tages zuvor im Speisesaal des Erzpriesters abgefasst
wurden.
    Agatyrsus war der erste, der sich, unter guten Freunden, über seinen neuen
Froschgraben lustig machte. Aber das Volk hörte nichts davon. Und da sein
Beispiel auf die Edelen von Abdera mehr wirkte, als seine Scherze: so hätte man
den Wetteifer sehen sollen, womit sie, um ebenfalls Proben von ihrer Popularität
abzulegen, entweder die vertrockneten Froschgräben in ihren Gärten wieder
herstellten, oder neue anlegten, wo noch keine gewesen waren. Wie in Abdera alle
Torheiten ansteckend waren, so blieb auch von dieser niemand frei. Anfangs war
es nur Mode, eine Sache die zum guten Ton gehörte. Ein Bürger von einigem
Vermögen würde sichs zur Schande gerechnet haben, hierin hinter seinem
vornehmern Nachbar zurückzubleiben. Aber unvermerkt wurde es ein unvermeidliches
Requisitum eines guten Bürgers; und wer nicht wenigstens eine kleine Froschgrube
innerhalb seiner vier Pfähle aufweisen konnte, würde für einen Feind Latonens
und für einen Verräter am Vaterlande ausgeschrien worden sein.
    Bei einem so warmen Eifer der Privatpersonen ist leicht zu erachten, dass der
Senat, die Zünfte und übrigen Kollegien nicht die letzten waren, der Latona
gleichmäßige Beweise ihrer Devotion zu geben. Jede Zunft ließ sich ihren eignen
Froschzwinger graben. Auf
