 überlassen werden
könnte.
    Inzwischen war den guten Ratsherren so enge in ihrer Haut, dass sie, so bald
man sich (wiewohl auf eine sehr tumultuarische Weise) dieses Schlusses
vereiniget hatte, den Zunftmeister Pfrieme mit aufgehabnen Händen baten, sich
herunter zu begeben, und das aufgebrachte Volk zu beruhigen. Der Zunftmeister,
dem es mächtig wohl tat, die stolzen Patricier so tief unter die Gewalt des
Knieriemens gedemütigt zu sehen, zögerte zwar nicht, ihnen die Probe seines
guten Willens und seines Ansehens bei dem Volke zu geben; aber der Tumult war
schon so groß, dass seine Stimme, wiewohl eine der besten Bierstimmen von ganz
Abdera, eben so wenig gehört wurde, als das Geschrei eines Schiffjungens im
Mastkorbe unter dem donnernden Geheul des Sturms und dem Brausen der
zusammenprallenden Wellen. Er würde sogar in der ersten Wut, in welche der Pöbel
(der ihn nicht sogleich erkannte) bei seinem Anblick aufbrannte, seines eignen
Lebens nicht sicher gewesen sein, wenn nicht glücklicher Weise der Erzpriester
Agatyrsus der diesen zufälligen Tumult für den geschicktesten Augenblick hielt,
der Gegenpartei in die Flanke zu fallen - mit seinem vergoldeten Hammelsfell an
einer Stange vor sich her, und mit seiner ganzen Priesterschaft hinterdrein, in
eben diesem Momente herbeigekommen wäre, dem Aufruhr Einhalt zu tun; indem er
dem Pöbel die Versicherung gab, dass ihnen genug getan werden sollte, und dass er
selbst der erste sei, der darauf antrage, dass die Sache vor dem großen Rat
abgetan werden müsse.
    Diese öffentliche Versicherung des Erzpriesters, und seine Herablassung und
Leutseligkeit, zugleich mit der Ehrfurcht, die das abderitische Volk für das
vergoldete Hammelsfell zu tragen gewohnt war, tat eine so gute Wirkung, dass in
wenig Augenblicken alles wieder ruhig war, und der ganze Markt von einem lauten:
Lebe der Erzpriester Agatyrsus! erschallte. Die Verwundeten schlichen sich ganz
geruhig nach Hause, um sich ihre Köpfe verbinden zu lassen. Der übrige Tross
strömte hinter dem zurückkehrenden Erzpriester her. Der Zunftmeister aber hatte
den Verdruss zu sehen, dass ein großer Teil seiner sonst so treuergebenen
Schatten, von der Ansteckung des übrigen Haufens hingerissen, den Triumph seines
Gegners vergrößern half, und in diesem Augenblick des Taumels leicht dahin hätte
gebracht werden können, allen den wilden Mutwillen, den sie kurz zuvor an ihren
vermeintlichen Feinden, den Eseln, auszuüben bereit waren, nun an ihren eignen
Freunden, den Schatten, auszulassen.
 
                                Neuntes Kapitel
                            Politik beider Parteien
               Der Erzpriester verfolgt seinen erhaltenen Vorteil
                        Die Schatten ziehen sich zurück
                    Der entscheidende Tag wird fest gesetzt
Dieser unvermutete Vorteil, den der Erzpriester über die Schatten gewann,
kränkte diese um so viel empfindlicher, da er ihnen nicht nur die Freude und
Ehre des Sieges, den sie im Senat erhalten hatten, verkümmerte, sondern ihre
