 in der Schenke antrafen; und wenn ein Schatten just das Unglück
hatte, an einem solchen Ort der einzige seines gleichen unter einer Anzahl Eseln
zu sein, so blieb ihm, wofern er sich nicht gleich mit der Flucht rettete,
nichts übrig, als entweder auf der Stelle zu apostasieren, oder sich mit
tüchtigen Stößen zur Türe hinaus werfen zu lassen.
    Die Unordnungen, die hieraus entstehen mussten, kann man sich ohne unser
Zutun vorstellen. Die Verbitterung ging in kurzem so weit, dass ein Schatten sich
lieber vor Hunger zum wirklichen stygischen Schatten abgezehrt, als einem Bäcker
von der Gegenpartei für einen Dreier Brot abgekauft hätte.
    Auch die Weiber nahmen, wie leicht zu erachten, Partei, und gewiss nicht mit
der wenigsten Hitze. Denn das erste Blut, das aus Gelegenheit dieses seltsamen
Bürgerkriegs vergossen wurde, kam von den Nägeln zwoer Hökerweiber her, die
einander auf öffentlichem Markte in die Physionomie geraten waren. Man bemerkte
indessen, dass bei weitem der größte Teil der Abderitinnen sich für den
Erzpriester erklärte; und wo in einem Hause der Mann ein Schatten war, da konnte
man sich darauf verlassen, die Frau war eine Eselin, und gemeiniglich eine so
hitzige und unbändige Eselin, als man sich eine denken kann. Unter einer Menge
teils heilloser teils lächerlicher Folgen dieses Parteigeists, der in die
Abderitinnen fuhr, war keine der geringsten, dass mancher Liebeshandel dadurch
auf einmal abgebrochen wurde, weil der eigensinnige Seladon lieber seine
Ansprüche als seine Partei aufgeben wollte; so wie hingegen auch mancher, der
sich schon Jahre lang vergebens um die Gunst einer Schönen beworben, und ihre
Antipathie gegen ihn durch nichts, was jemals von einem unglücklichen Liebhaber
versucht worden, hatte überwinden können, jetzt auf einmal keines andern Titels
bedurfte, um glücklich zu werden, als seine Dame zu überzeugen, dass er - ein
Esel sei.
    Inzwischen wurde die Präjudicialfrage, ob die von Klägern eingewandte
Abberufung an den großen Rat statt finde oder nicht, vor den Senat gebracht.
Wiewohl dies das erstemal war, dass es über die Eselssache bei diesem ehrwürdigen
Kollegio zur Sprache kam: so zeigte sich doch bald, dass jedermann schon seine
Partei genommen hatte. Der Archon Onolaus war der einzige, der in Verlegenheit
zu sein schien, wie er der Sache einen leidlichen Anstrich geben könnte. Denn
man bemerkte, dass er viel leiser als gewöhnlich sprach, und am Schluss seines
Vortrags in die merkwürdigen und ominosen Worte ausbrach: er besorge sehr, der
Eselsschatten, über welchen jetzt mit so vieler Hitze gestritten werde, möchte
den Ruhm der Republik auf viele Jahrhunderte verfinstern. Seine Meinung war, man
würde am besten tun, die eingelegte Appellation als unstattaft abzuweisen, den
Spruch des Stadtgerichts (bis auf den Punkt der Kosten,
