 als er nach Hause gekommen, der
Dame Strution noch eine ziemlich lange Audienz hatte geben müssen, und also
vermutlich - nicht ausgeschlafen hatte. Genug, nach langem Streiten und Lärmen
erklärte sich endlich der Stadtrichter Philippides: dass er, bewandten Umständen
nach, nicht umhin könne, die Frage, ob die von Klägern eingewandte Appellation
statt finde, vor den Senat zu bringen. Hiermit stund er auf; das Gericht ging
ziemlich tumultuarisch auseinander; und beide Parteien eilten, sich mit ihren
Freunden, Gönnern und Sykophanten zu beraten, was nun weiter in der Sache
anzufangen sei.
 
                                Fünftes Kapitel
                             Gesinnungen des Senats
                  Tugend der schönen Gorgo, und ihre Wirkungen
        Der Priester Strobylus tritt auf, und die Sache wird ernsthafter
Der Prozess über des Esels Schatten, der Anfangs die Abderiten bloß durch seine
Ungereimteit belustigt hatte, fing nun an, eine Sache zu werden, in welche die
Gerechtsamen, das Point d'honneur, und allerlei Leidenschaften und Interessen
verschiedner zum Teil ansehnlicher Glieder der Republik verwickelt wurden.
    Der Zunftmeister Pfrieme hatte seinen Kopf darauf gesetzt, dass sein
Zunftangehöriger gewinnen müsste; und da er sich meistens alle Abende in den
Versammlungsorten der gemeinen Bürger einfand, hatte er schon beinahe die Hälfte
des Volks auf seine Seite gebracht, und sein Anhang nahm täglich zu.
    Der Erzpriester hingegen hatte den Handel bisher nicht für wichtig genug
gehalten, sein ganzes Ansehen zu Gunsten seines Beschützten anzuwenden. Allein da
die Sachen zwischen ihm und der schönen Gorgo ernsthafter zu werden anfingen,
indem sie, anstatt einer gewissen Gelehrigkeit, die er bei ihr zu finden gehofft
hatte, einen Widerstand tat, dessen man sich zu ihrer Herkunft und Erziehung
nicht hätte vermuten sollen, ja sich sogar vernehmen ließ: »Wie sie Bedenken
trage, ihre Tugend noch einmal den Gefahren eines Besuchs durch die kleine
Gartentüre auszusetzen« - so war es ganz natürlich, dass er nun nicht länger
säumte, durch den Eifer, womit er die Sache des Vaters zu unterstützen anfing,
sich ein näheres Recht an die Dankbarkeit der Tochter zu erwerben.
    Der neue Lärm, den der Eselsprocess durch die Provocation an den großen Rat
in der Stadt machte, gab ihm Gelegenheit, mit einigen von den vornehmsten
Ratsherren aus der Sache zu sprechen. »So lächerlich dieser Handel an sich
selbst sei, sagte er, so könne doch nicht zugegeben werden, dass ein armer Mann,
der unter dem Schutze Jasons stehe, durch eine offenbare Kabale unterdrückt
werde. Es komme nicht auf die Veranlassung an, die oft zu den wichtigsten
Begebenheiten sehr gering sei; sondern auf den Geist, womit man die Sache
treibe, und auf die Absichten, die man im Schilde, oder wenigstens in Petto
führe. Die Insolenz des Sykophanten Physignatus, der eigentlich an diesem
ganzen
