 was er in eben dieser Art zu Athen,
Korint und Syrakus gesehen, und brachte, in einem albernen Ton von
Entschuldigung, eine Menge lächerlicher Ursachen hervor, warum diese Dinge in
Athen, Korint und Syrakus schöner und prächtiger wären als in Abdera.
    Junger Herr, sagte Demokritus, es ist hübsch, dass Sie Ihre Vater- und
Mutterstadt in Ehren haben; aber wenn Sie uns einen Beweis davon geben wollen,
so lassen Sie Athen, Korint und Syrakus aus dem Spiele. Nehmen wir jedes Ding
wie es ist, und so keine Vergleichung, so brauchts auch keine Entschuldigung!
    Euripides fand alles, was man ihm zeigte, sehr merkwürdig; und das war es
auch! Denn man zeigte ihm eine Bibliothek, worin viel unnütze und ungelesene
Bücher, ein Münzcabinet, worinnen viel abgegriffene Münzen, ein reiches Spital,
worin viel übelverpflegte Arme, ein Arsenal, worin wenig Waffen, und einen
Brunnen, worin noch weniger Wasser war. Man zeigte ihm auch das Rataus, wo die
gute Stadt Abdera so wohl beraten wurde, den Tempel des Jasons, und ein
vergoldetes Widderfell, welches sie, wiewohl wenig Gold mehr daran zu sehen war,
für das berühmte goldne Vliess ausgaben. Sie nahmen auch den alten rauchigten
Tempel der Latona in Augenschein, und das Grabmal des Abderus, der die Stadt
zuerst erbaut haben sollte, und die Gallerie, wo alle Archonten von Abdera in
Lebensgröße gemalt stunden, und einander alle so ähnlich sahen, als ob der
folgende immer die Kopie von dem vorhergehenden gewesen wäre. Endlich, da sie
alles gesehen hatten, führte man sie auch an den geheiligten Teich, worin auf
Unkosten gemeiner Stadt die größten und fettesten Frösche gefüttert wurden, die
man je gesehen hat; und die, wie der Priester Strobylus sehr ernstaft
versicherte, in gerader Linie von den lycischen Bauern abstammten, die der
umherirrenden nirgends Ruhe findenden, und vor Durst verschmachtenden Latona
nicht gestatten wollten, aus einem Teiche, der ihnen zugehörte, zu trinken, und
dafür vom Jupiter zur Strafe in Frösche verwandelt wurden.
    O Herr Oberpriester, sagte Demokritus, erzählen Sie doch dem fremden Herrn
die Geschichte dieser Frösche, und wie es zugegangen, dass der geheiligte Teich
aus Lycien über das ionische Meer herüber bis nach Abdera versetzt worden;
welches, wie Sie wissen, eine ziemliche Strecke Wegs über Länder und Meere
ausmacht, und, wenn man so sagen darf, beinahe ein noch größeres Wunder ist, als
die Froschwerdung der lycischen Bauern selbst.
    Strobylus sah dem Demokritus und dem Fremden mit einem bedenklichen Blick
unter die Augen. Weil er aber nichts darin sehen konnte, das ihn berechtigt
hätte, sie für Spötter zu erklären, welche nicht verdienten, zu so ehrwürdigen
Mysterien zugelassen zu werden:
