 gewohnt ist, weder abzuweisen, noch abgewiesen zu werden; wenn das Ihr
Ernst ist, so beweisen Sie es dadurch, dass Sie sich von mir erbitten lassen.«
    Dies von mir verdross die andern Abderitinnen. Wir wollen nicht unbescheiden
sein, sagte eine, indem sie die Lippen einzog, und auf die Seite sah - Man muss
dem Herrn nichts zumuten, was ihm unmöglich ist, sagte eine Andre.
    Um Ihnen Vergnügen zu machen, meine schönen Damen, sprach der Dichter,
könnte mir das Unmögliche möglich werden.
    Weil dies Nonsens war, so gefiel es allgemein. Onobulus war hurtig mit
seiner Schreibtafel heraus, um sich den Gedanken aufzunotieren. Die Weiber und
Mädchen warfen einen Blick auf Tryallis, als ob sie sagen wollten: Ätsch! er
hat uns auch schön geheißen! Madam braucht sich eben nicht so viel auf ihre
Atalantenfigur einzubilden; er bleibt so gut um unsertwillen hier als um
ihrentwillen.
    Salabanda machte endlich dem Handel ein Ende, indem sie sich bloß die
Gefälligkeit ausbat, dass er ihr und ihren Freunden, die alle seine großen
Verehrer seien, nur noch den morgenden Tag schenken möchte. Weil Euripides im
Grunde nichts zu eilen hatte, und sich in Abdera sehr gut amüsierte, so ließ er
sich nicht lange bitten, eine Einladung anzunehmen, die ihm hübsche Beiträge zu
- Possenspielen für den Hof zu Pella versprach. Und so ging dann die
Gesellschaft, auf die Ehre, sich morgen bei Frau Salabanda wiederzusehen, gegen
Mitternacht in allerseitigem Vergnügen auseinander.
 
                                Neuntes Kapitel
   Euripides besieht die Stadt, wird mit dem Priester Strobylus bekannt, und
               vernimmt von ihm die Geschichte der Latonenfrösche
 Merkwürdiges Gespräch, welches bei dieser Gelegenheit zwischen Demokritus, dem
                       Priester und dem Dichter vorfällt
Inzwischen führte Onobulus, in Begleitung etlicher junger Herren seines
Schlages, seinen Gast in der Stadt herum, um ihm alles, was darin sehenswürdig
wäre, zu zeigen. Unterwegens begegnete ihnen Demokritus, mit welchem Euripides
schon von langem her bekannt war. Sie gingen also mit einander; und da die Stadt
Abdera ziemlich weitläufig war, so hatten die beiden Alten Gelegenheit genug,
von den jungen Herren zu profitieren, die immer den Mund offen hatten, über
alles entschieden, alles wussten, und sich gar nicht zu Sinne kommen ließ, dass
es ihres gleichen in Gegenwart von Männern anständiger sei, zu hören als sich
hören zu lassen.
    Euripides hatte also diesen Morgen genug zu hören und zu sehen. Die jungen
Abderiten, die nie weiter als bis an die äußersten Schlagbäume ihrer Vaterstadt
gekommen waren, sprachen von allem, was sie ihm zeigten, als von Wundern, die
gar nicht ihres gleichen in der Welt hätten. Onobulus hingegen, der die große
Reise gemacht hatte, verglich alles mit dem,
