 er um so mehr tat, weil ihm daran gelegen war, das Andenken der
Übeltaten auszulöschen, durch die er sich den Weg zum Throne, zu dem er nicht
geboren war, gebahnt hatte - wie E.E. aus Ihrem Bayle mit mehrerm ersehen
können.
    Nach dieser kleinen Abschweifung kehren wir zu unserm attischen Dichter
zurück, den wir unter einem schimmernden Zirkel von Abderiten und Abderitinnen
vom ersten Range, unter einem grünen Pavillon im Garten des Archon Onolaus
antreffen werden.
 
                                 Achtes Kapitel
                  Wie sich Euripides mit den Abderiten benimmt
Sie machen einen Anschlag auf ihn, wobei sich ihre politische Betriebsamkeit in
einem starken Lichte zeigt, und der ihnen um so gewisser gelingen muss, weil alle
           Schwierigkeiten, so sie dabei sehen, bloß eingebildet sind
Es ist oben schon bemerkt worden, dass Euripides schon lange, wiewohl unbekannter
Weise, bei den Abderiten in großem Ansehen stund. Itzt, so bald es erschollen
war, dass er in Person zugegen sei, war die ganze Stadt in Bewegung. Man sprach
von nichts als vom Euripides. - »Haben Sie den Euripides schon gesehen? Wie
sieht er aus? Hat er eine große Nase? Wie trägt er den Kopf? Was hat er für
Augen? Er spricht wohl in lauter Versen? Ist er stolz?« - und hundert solche
Fragen machte man einander schneller als es möglich war, auf eine zu antworten.
Die Neugier, den Euripides zu sehen, zog noch außer denen, die der Archon hatte
bitten lassen, verschiedene herbei, die nicht geladen waren. Alles drängte sich
um den guten glatzköpfigen Dichter her, um zu beaugenscheinigen, ob er auch so
aussehe, wie sie sich vorgestellt hatten, dass er aussehen müsse. Verschiedne,
insonderheit unter den Damen, schienen sich zu verwundern, dass er am Ende doch
just so aussah wie ein andrer Mensch. Andre bemerkten, dass er viel Feuer in den
Augen habe; und die schöne Tryallis raunte ihrer Nachbarin ins Ohr, man seh es
ihm stark an, dass er ein ausgemachter Weiberfeind58 sei. Sie machte diese
Bemerkung mit einem Ausdruck von anticipiertem Vergnügen über den Triumph, den
sie sich davon versprach, wenn ein so erklärter Feind ihres Geschlechts die
Macht ihrer Reizungen würde bekennen müssen.
    Die Dummheit hat ihr Sublimes so gut als der Verstand, und wer darin bis zum
Absurden gehen kann, hat das Erhabne in dieser Art erreicht, welches für
gescheute Leute immer eine Quelle von Vergnügen ist. Die Abderiten hatten das
Glück, im Besitz dieser Vollkommenheit zu sein. Ihre Ungereimteit machte einen
Fremden Anfangs wohl zuweilen ungeduldig; aber so bald man sah, dass sie so ganz
aus einem Stücke war, und (eben darum) so viele Zuversicht und Gutmütigkeit in
sich hatte: so
