. Eukolpis war eine große wohlgedrehte Figur - zwar
um ein Namhaftes materieller als man in Athen zu einer Schönheit erfoderte -
aber in diesem Stücke waren die Abderiten, wie in vielen andern, ausgemachte
Tracier; und ein Mädchen, aus welchem ein Bildhauer in Sicyon zwo gemacht
hätte, war nach ihrem angenommenen Ebenmass ein Wunder von einer Nymphenfigur. Da
die Andromeda nur sehr dünne angezogen sein durfte, so hatte Eukolpis, die sich
stark bewusst war, worin eigentlich die Kraft ihres Zaubers liege, eine Draperie
von rosenfarbnem koischem Zeug erfunden, unter welcher, ohne dass der Wohlstand
sich allzu sehr beleidigt finden konnte, von den schönen Formen, die man an ihr
bewunderte, wenig oder nichts für die Zuschauer verloren ging. Nun hatte sie gut
singen! Die Komposition hätte, wo möglich, noch abgeschmackter, und ihr Vortrag
noch zehnmal fehlerhafter sein können, immer würde sie ihren Monologen haben
wiederholen müssen, weil das doch immer der ehrlichste Vorwand war, sie desto
länger mit lüsternen Blicken - betasten zu können. Wahrlich, beim Jupiter, ein
herrliches Stück, sagte einer zum andern mit halbgeschlossnen Augen; ein
unvergleichliches Stück! Aber finden Sie nicht auch, dass Eukolpis heute wie eine
Göttin Singt? - »O! über allen Ausdruck! Es ist, beim Anubis! nicht anders als
ob Euripides das ganze Stück bloß um ihrentwillen gemacht hätte!« - Der junge
Herr, der dies sagte, pflegte immer beim Anubis zu schwören, um zu zeigen, dass
er in Ägypten gewesen sei.
    Die Damen, wie leicht zu erachten, fanden die neue Andromeda nicht ganz so
wundervoll als die Mannsleute. - »Nicht übel! Ganz artig! sagten sie; aber wie
kömmts, dass die Rollen diesmal so unglücklich ausgeteilt wurden? Das Stück
verlor dadurch. Man hätte die Rollen tauschen und die Mutter der dicken Eukolpis
geben sollen! Zu einer Kassiopea hätte sie sich trefflich geschickt.« - Gegen
ihren Anzug, Kopfputz u.s.w. war auch viel zu erinnern - Sie war nicht zu ihrem
Vorteil aufgesetzt - der Gürtel war zu hoch, und zu stark geschürzt - und
besonders fand man die Ziererei ärgerlich, immer ihren Fuß zu zeigen, »auf
dessen unproportionierte Kleinheit sie sich ein wenig zu viel einbilde« - sagten
die Damen, die aus dem entgegengesetzten Grunde die ihrigen zu verbergen
pflegten. Indessen kamen doch Frauen und Herren sämtlich darin überein, dass sie
überaus schön singe, und dass nichts niedlichers sein könne, als die Arie, worin
sie ihr Schicksal bejammerte. Eukolpis, wiewohl ihr Vortrag wenig taugte, hatte
eine gute, klingende biegsame Stimme; aber was sie eigentlich zur
Lieblingssängerin der Abderiten gemacht hatte, war die Mühe, die sie sich mit
ziemlichem
