 und da Leute gesteckt hätten, die - weil sie vielleicht etwas dümmere Ohren
auf die Welt gebracht als ihre Mitbürger, oder weil sie anderswo was Bessers
gehört haben mochten - einander unter vier Augen gestunden: dass der Nomophylax,
mit aller seiner Anmassung ein Orpheus zu sein, nur ein Leiermann, und das beste
seiner Werke eine Rhapsodie ohne Geschmack, und meistens auch ohne Sinn sei.
Diese wenigen hatten sich ehmals sogar erkühnt, etwas von dieser ihrer
Heterodoxie ins Publicum erschallen zu lassen; aber sie waren jedesmal von den
Verehrern der gryllischen Muse so übel empfangen worden, dass sie, um mit heiler
Haut davon zu kommen, für gut befanden, sich in Zeiten den Majoribus zu
submittieren; und nun waren diese Herren immer die, die bei den elendesten
Stellen - am ersten und am lautsten klatschten.
    Das Orchester tat diesmal sein Äusserstes, um sich seines Oberhauptes würdig
zu zeigen. »Ich hab' ihnen aber auch alle Hände voll zu tun gegeben«, sagte
Gryllus, und schien sich viel darauf zu gut zu tun, dass die armen Leute schon im
zweiten Act keinen trocknen Faden mehr am Leibe hatten.
    Im Vorbeigehen gesagt, das Orchester war eins von den Instituten, worin die
Abderiten es mit allen Städten in der Welt aufnahmen. Das erste, was sie einem
Fremden davon sagten, war: dass es hundert und zwanzig Köpfe stark sei. »Das
Ateniensische, pflegten sie mit bedeutendem Accent hinzuzusetzen, soll nur 8o
haben; aber freilich mit 120 Mann lässt sich auch was ausrichten!« - Wirklich
fehlte es, unter so vielen, nicht an geschickten Leuten, wenigstens an solchen,
aus denen ein Vorsteher wie - in Abdera keiner war noch sein konnte, etwas hätte
machen können. Aber was half das ihrem Musikwesen, Es war nun einmal im
Götterrate beschlossen, dass im tracischen Athen nichts an seinem Platz, nichts
seinem Zweck entsprechend, nichts recht und nichts ganz sein sollte. Weil die
Leute wenig für ihre Mühe hatten, so glaubte man auch nicht viel von ihnen
fordern zu können; und weil man mit einem Jeden zufrieden war, der sein Bestes
tat (wie sie's nannten), so tat niemand sein Bestes. Die geschickten wurden
lässig, und wer noch auf halbem Wege war, verlor den Mut und zuletzt auch das
Vermögen, weiter zu kommen. Wofür hätten sie sich am Ende auch Mühe um
Vollkommenheit gehen sollen, da sie für abderitische Ohren arbeiteten? Freilich
hatten die leidigen Fremden auch Ohren; aber sie hatten doch keine Stimme zu
geben; fandens auch nicht einmal der Mühe wert, oder waren zu höflich, oder zu
politisch, gegen den Geschmack von Abdera Sturm laufen zu wollen. Der
Nomophylax, so dumm er
