 in der Welt sein
muss!« - Das ist eine große Wahrheit, sagte Demokritus; solche Dichter, solche
Schauspieler, solche Musik, und wöchentlich viermal, für 80 Talente! Ich
wenigstens habe das an keinem andern Ort in der Welt angetroffen.
    Was man ihnen lassen musste, war, dass ihr Theater für eines der prächtigsten
in Griechenland gelten konnte. Freilich hatten sie dem Könige von Macedonien ihr
bestes Amt versetzt, um es bauen zu können. Aber da ihnen der König zugestanden,
dass der Amtmann, der Amtsschreiber und der Rentmeister allezeit Abderiten
bleiben sollten, so konnte ja niemand was dagegen einzuwenden haben.
    Wir bittens den Lesern ab, wenn Sie mit dieser allgemeinen Nachricht von dem
abderitischen Teaterwesen zu lange aufgehalten worden sind. Es hat nun 6 Uhr
geschlagen, und wir versetzen uns also, ohne weiters, in das Amphiteater dieser
preiswürdigen Republik, wo die geneigten Leser nach Gefallen, entweder bei dem
kleinen dicken Ratsherrn, oder bei dem Priester Strobylus, oder bei dem
Schwätzer Antistrepsiades, oder bei irgend einer von den schönen Abderitinnen,
mit welchen wir sie in den vorigen Kapiteln bekannt gemacht haben, Platz zu
nehmen belieben werden.
 
                                Fünftes Kapitel
                  Die Andromede des Euripides wird aufgeführt
  Großer Success des Nomophylax, und was die Sängerin Eukolpis dazu beigetragen
Ein paar Anmerkungen über die übrigen Schauspieler, die Chöre und die Decoration
Das Stück, das diesen Abend gespielt wurde, war die Andromede des Euripides:
eines von den 60 oder 70 Werken dieses Dichters, wovon nur wenige kleine Späne
und Splitter der Vernichtung entronnen sind. Die Abderiten trugen, ohne eben
sehr zu wissen warum, große Ehrerbietung für den Namen Euripides und alles was
diesen Namen trug. Verschiedne seiner Tragödien, oder Singspiele (wie wir sie
eigentlich nennen sollten), waren schon öfters aufgeführt, und allemal sehr
schön gefunden worden. Die Andromede, eines der neuesten, wurde jetzt zum
erstenmal auf die abderitische Schaubühne gebracht. Der Nomophylax hatte die
Musik dazu gemacht, und (wie er seinen Freunden ziemlich laut ins Ohr sagte)
diesmal sich selbst übertroffen; das heißt, der Mann hatte sich vorgesetzt, alle
sein Künste auf einmal zu zeigen, und darüber war ihm der gute Euripides
unvermerkt ganz aus den Augen gekommen. Kurz, Herr Gryllus hatte sich selbst
componiert; unbekümmert, ob seine Musik den Text, oder der Text seine Musik zu
Unsinn mache - welches dann gerade der Punkt war, der auch die Abderiten am
wenigsten kümmerte. Genug, sie machte großen Lerm, hatte (wie seine Brüder,
Vettern, Schwäger, Klienten und Hausbedienten, als sämtliche Kenner,
versicherten) sehr erhabene und rührende Stellen, und wurde mit dem lautsten
entschiedensten Beifall aufgenommen. Nicht, als ob nicht sogar in Abdera noch
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