 Dies veranlasste denn, dass eine
Kommission niedergesetzt wurde, welche, nach mehr als sechzig zahlbaren
Sessionen, endlich einen Entwurf einer Einrichtung des gemeinen abderitischen
Teaterwesens vor Rat legte, den man so gründlich und wohlausgesonnen befand,
dass er stracks in einer allgemeinen Versammlung der Bürgerschaft zu einem
Fundamentalgesetz der Stadt Abdera gestempelt wurde.
    Wir würden uns ein Vergnügen daraus machen, dieses abderitische Meisterstück
auch vor unsre Leser zu legen, wenn wir ihnen Geduld genug zutrauen dürften, es
zu lesen. Sollte aber irgend ein gemeines Wesen in oder außer dem heil. röm.
Reiche die Mitteilung desselben wünschen: so ist man erbötig, solche auf
beschehene Requisition, gegen bloße Erstattung der Schreibauslagen unentgeltlich
zu communicieren. Alles, was wir hier davon sagen können, ist: dass, vermöge
dieser Einrichtung, sine aggravio Publici hinlängliche Fonds ausgemacht wurden,
die Abderiten wöchentlich viermal mit Schauspielen zu tractieren; sowohl
Dichter, Schauspieler und Orchester, als die Herren Deputierten und den
Nomophylax condigne zu remunerieren; und überdies noch die beiden untersten
Klassen der Zuschauer bei jeder Vorstellung viritim mit einem Pfennigbrot und
zwo trocknen Feigen zu gratificieren. Der einzige Fehler dieser schönen
Einrichtung war, dass die Herren von der Kommission sich in Berechnung der
Einnahme und Ausgabe (wegen deren Richtigkeit man sich auf ihre bekannte
Dexterität verließ) um 28000 Drachmen (ungefähr drittalb tausend Taler unsers
Geldes) verrechnet hatten, die das Aerarium mehr bezahlen musste, als die
angewiesenen Fonds betrugen. Das war nun freilich kein ganz gleichgültiger
Rechnungsverstoss! Indessen waren die Herren von Abdera gewohnt, so glattweg und
bona fide bei ihrem Aerario zu Werke zu gehen, dass etliche Jahre verstrichen,
bis man gewahr wurde, woran es liege, dass alle Jahre 2500 Taler in ihrem
Stadtseckel zu wenig waren. Wie man es endlich mit vieler Mühe heraus gebracht
hatte, fanden die Häupter für nötig, die Sache vor das gesamte Volk zu bringen,
und - pro forma auf Einziehung der Schaubühne anzutragen. Allein die Abderiten
gebärdeten sich zu diesem Vorschlag, als ob man ihnen Wasser und Feuer nehmen
wolle. Kurz, es wurde ein Plebiscitum errichtet, dass die jährlich abgängigen
drittalb Talente aus dem gemeinen Schatz, der im Tempel der Latona niedergelegt
war, genommen werden sollten; und derjenige, der sich künftig unterfangen würde,
auf Abschaffung der Schaubühne anzutragen, sollte für einen Feind der Stadt
Abdera angesehen werden.
    Die Abderiten glaubten nun, ihre Sache recht klug gemacht zu haben, und
pflegten gegen Fremde sich viel darauf zu gut zu tun, dass ihre Schaubühne
jährlich 80 Talente (80,000 Taler) und gleichwohl der Bürgerschaft von Abdera
keinen Heller koste. »Es kommt alles auf eine gute Einrichtung an, sagten sie.
Aber dafür haben wir auch ein Nationalteater, wie kein andres
