 sie Herrmannen kaum
beneideten, sondern alles gehen ließ, wie es ging.
    Noch kleinmütiger hätte er werden können, als er gewahr wurde, dass auch
Arnold und Madam Dormer auf die Seite des Präsidenten getreten waren, zwar nicht
gegen ihn als Feinde handelten, aber doch sein Ansehen bei dem Fürsten
untergruben. Dieser Übergang zur feindlichen Partei, so plötzlich er Herrmannen
schien, weil er ihn in dem Eifer für sein neues Amt übersehen hatte, wurde durch
das erste Konzert schon vorbereitet, das der Präsident wieder in seinem Hause
gab. Durch Schmeicheleien und Vertraulichkeiten gewann er Arnolden und knüpfte
ihn dadurch fest an sich, dass er ihm einen Anteil an dem Handel versprach, den
er mit dem Gelde aus der fürstlichen Kasse trieb: Arnold erriet diesen letzten
Umstand mehr, als er ihn wusste, und als ein Mann, der Vergnügen und Aufwand
liebte und zeiter beides sehr einzuschränken gezwungen war, nahm er mit Freuden
die Summen an, die ihm der Präsident von Zeit zu Zeit als den Ertrag seines
Anteils an der Handlung gab, und red'the aus Dankbarkeit das beste von ihm bei
dem Fürsten. Madam Dormer wurde auf die nämliche Manier durch Schmeicheleien,
Ehrenbezeugungen und Geschenke gewonnen: sie spielte gern die große Dame, und da
sie der Präsident völlig so behandelte, sprach sie allenthalben zu seinem
Vorteil und trieb auch Arnolden an, dem Fürsten gute Gesinnungen von einem so
braven Manne beizubringen.
    Diese neue Freundschaft erzeugte noch eine dritte Ursache zur Kleinmütigkeit
für Herrmannen. Der Fürst bekam auf Arnolds Betrieb, den der Präsident dazu
angestiftet hatte, wieder Neigung zur Jagd: sein Liebling bot ihm täglich so
viele schöne Büchsen und Hunde an, dass er sie probierte, und über dem öfteren
Probieren erhielt das Vergnügen wieder für ihn Reiz, sein voriger Trieb erwachte
und wuchs sehr bald zur Leidenschaft empor. Die neue Liebhaberei verdrängte die
bisherigen, und da seine angelegentliche Sorge für die Regierung und seine
Verbesserungsbegierde zum Teil auch nur Liebhaberei gewesen sein mochten, so kam
er jetzt in keine Sitzung mehr, Herrmann wurde nicht mehr zu politischen
Unterredungen geholt, konnte nie vor ihn kommen, weil er außer der Tafelzeit
nicht zu Hause war, und bekam ihn in vielen Wochen nicht einmal zu sehen. Er
entbehrte also eine wichtige Stütze gegen den Präsidenten, der sich täglich mehr
zu seiner vorigen Gewalt empor brutalisierte und tat, was ihm lüstete, ohne auf
Herrmanns Widerspruch im mindsten zu achten.
    Herrmann war also auf allen Seiten verlassen, sollte allein wider alle sich
stemmen; und da er genug zu tun hatte, sich der Feinde zu erwehren, wollte er
sie gar noch angreifen? - Das war allerdings verwegen, aber Mut und Erbitterung
wuchs bei ihm täglich, je mehr der Präsident tyrannisierte und ihn
