; der freie, zwanglose Ton der Madam
Dormer war ohnehin ein Ärgernis für die ganze Stadt. Herrmann besuchte sie um
soviel öfter, da sie seine Beförderin, die geheime Negotiantin seiner Liebe und
der einzige weibliche Umgang in der Stadt war, der ihm schmeckte. Notwendig
musste er also mit dem Leipziger Subjekte sehr bald bei ihr zusammentreffen; und
dies Leipziger Subjekt war - sein ehmaliger Freund und Spielgefährte Arnold. Er
schämte sich, seine bisherigen Schicksale zu gestehen, bekannte aber doch
einmal, als sie beide allein beisammen waren, dass ihn seit jenem Abende, wo
Herrmann Leipzig verließ, um zu Ulriken auf das Land zu eilen, das Glück
unaufhörlich zum besten gehabt habe. Kleiner Gewinn und großer Verlust, kleine
Einnahme und großer Aufwand war sein Lebenslauf, bis ihn Schulden und Mangel so
gewaltig drückten, dass er das Spielerhandwerk verfluchte, weise werden und
studieren wollte. Er fand Zuflucht und Unterstützung bei einem livländischen
Barone, der sich gleichfalls von der Spielsucht bekehren und weise werden
wollte: allein sie bekehrten einander wie ein Paar Ungläubige das heißt, einer
verführte den andern, bis endlich das geschärfte Verbot der Hasardspiele beide
zur Bekehrung zwang. Arnold gab sich wirklich die Miene, als wenn er studierte,
bis der Brief des Präsidenten und die selbsterfundnen Versprechungen des Mannes,
der ihn empfing und sich ein Ansehen damit geben wollte, so viele Bewegung
verursachten, dass sich Arnold von ihm bereden ließ, die Reise nach der
einträglichen Sekretärstelle anzutreten. Diesen letzten Teil seiner Geschichte
verhehlte er seinem wiedergefundnen Freunde, so gut er konnte, und wandte, wie
allenthalben, die Redoute vor, so unwahrscheinlich auch diese Ursache schien.
    Madam Dormer, die auf das Probestück von Patronschaft, das sie an Herrmannen
abgelegt hatte, nicht wenig stolz tat' geriet sehr in Versuchung, an Arnolden
ein zweites abzulegen: zum Teil konnte es wohl Liebe sein, aber größtenteils war
es gewiss Neigung zur Intrigue, unruhige Geschäftigkeit. Er hatte eine
mittelmäßige Fertigkeit auf der Flöte: er musste sich in möglichster Eile bei
ihrem Manne Tag für Tag üben, und wenn Lehrer oder Schüler eine dazu bestimmte
Stunde aussetzten, bekamen sie gleich eine derbe Lektion von Madam. Arnold lebte
ganz von ihrer Freigebigkeit, und ihr Mann war seit seinem Abschiede von der
Schauspielergesellschaft auch wieder unter das Joch gebracht worden: also mussten
sie ihr beide gehorchen. Der Fürst hielt des Winters wöchentlich ein paar
Konzerte auf seinem Zimmer, wo ihn sonach Madam Dormer alle Wochen zweimal
sprach: denn er war sehr herablassend und ließ kein Konzert vorbeigehn, ohne
sich mit ihr zu unterhalten, und wenn er nicht beizeiten Anstalt dazu machte,
wusste die dreiste, zudringliche Frau das Gespräch schon an ihn zu bringen. Sie
bat um die Erlaubnis, dass
