 uns aus gleich
freier Entschließung und nach gleichem Rechte? - Aber seine Kräfte so im
geschäftigen Müssiggange dahinschwinden lassen! die Tätigkeit, womit man etwas
Großes, Rühmliches und allgemein Nützliches schaffen könnte, bloß zu seinem
eignen Nutzen, zu Befriedigung einer schnöden Geldbegierde anwenden! - Freilich
sind das nicht Grundsätze, die mir Schwinger eingeprägt hat: - aber was
Schwinger? Er kennt die Welt nicht. Was tun die Menschen rings um mich anders,
als dass sie miteinander um ihren Nutzen, um die Mittel des Vergnügens und
Wohlseins kämpfen? Dieser arbeitet mit den Händen, jener mit dem Kopfe, um dem
Reichern etwas abzugewinnen: dieser handelt mit Schwefelhölzern, jener mit
Juwelen, um vor der Masse des allgemeinen Reichtums einen größeren Teil zu
erbeuten, als er hat; und was tut ein Spieler mehr oder weniger als das? Der
Kaufmann, der Handwerker, der Gelehrte sucht Kunden an sich zu ziehen: wir tun
nichts mehr und nichts weniger. Ich spiele aufrichtig, ohne den mindsten Betrug,
und habe einen der edelsten Zwecke dabei, der beleidigten Unschuld Genugtuung
und der schmachtenden Liebe Nahrung und Unterhalt zu verschaffen: kann es bei
solchen Absichten und unter solchen Umständen Schande sein, für seinen Nutzen zu
leben? - Schwinger hat mich mit finsteren Schulgrillen angefüllt: Vignali sagte
mir das oft: je mehr ich von der Welt sehe, je mehr fühl ich, dass es ganz anders
ist und sein muss, als mir sie der gute Mann vormalte. Da sollt ich immer nur zum
Besten der menschlichen Gesellschaft, immer nur für meine Ehre, immer nur wegen
des Bewusstseins, etwas Gutes getan zu haben, arbeiten; allem Vergnügen und
Eigennutz entsagen und nur nach großen und edlen, sich selbst belohnenden
Handlungen streben: Schimären! nichts als Schimären! Ich habe bei Vignali dem
Vergnügen gelebt; und ich lebe hier dem Nutzen, um mir neues Vergnügen erkaufen
zu können. Niemand bewegt um meinetwillen eine Fingerspitze, wenn er nicht eine
Vergeltung seiner Mühe erwarten kann: jeder denkt nur auf seinen Vorteil, sein
Vergnügen; und ich Tor soll mich mit leeren Gespenstern der Ehre herumjagen?
soll der Grille nachlaufen, dem Irrlichte der Einbildung, dem Phantome des
Bewusstseins, etwas Gutes für andre getan zu haben, da doch niemand etwas Gutes
für mich tun will? - Weg mit den Träumen! Vergnügen und Nutzen sind die beiden
Realitäten auf der Erde: das übrige ist Tand. Meine eingesognen Vorurteile und
Hirngespinste haben mich in Berlin gegen das Vergnügen misstrauisch gemacht: o
welch ein glückseliges Leben hätt ich bei Vignali genießen können, wenn meine
lichtscheuen Grundsätze nicht Wirkung getan hätten! Schwinger hat, bei aller
guten Absicht, die bisherige Hälfte meines Lebens verbittert. Das Vergnügen bot
sich mir wie ein
