 Frau von Dirzau
diese Gesellschaft schlechterdings untersagt hätte. - »Hat sie dir der Herr von
Troppau auch untersagt?« - »Nein«, antwortete ich, »aber auch nicht befohlen!«
-»So befehle ich, dass du keine von diesen Abendgesellschaften versäumen sollst.«
- Ich wusste nichts mehr vorzuwenden als meine Untergebne, von welcher ich mich
unmöglich so lange trennen könnte: denn ich hatte durchaus einen Widerwillen in
mir gegen diese Gesellschaften. - »Lass du nur«, sprach sie lachend, »das gute
Mädchen bei ihrer Tante recht dumm werden, damit wir desto mehr Ehre davon
haben, wenn wir sie klug machen. Allons!« - Mit diesem Allons fasste sie mich
unter den Arm und wanderte mit mir die Treppe hinunter. Ich musste mich von ihr
selbst anputzen lassen, sosehr ich mich auch sträubte: es deuchte mir, als wenn
ich mein Totenkleid anzöge, so eine Ängstlichkeit fühlte ich, dass ich in ein
Haus voll solcher Schikanen, Parteien und Kabalen geraten war.
    Herrmann. Und ich möchte, dass du nie einen Fuß hineingesetzt hättest. - Ach
Ulrike! wenn deine Tugend nicht Löwenstärke hat - aber ich habe ja versprochen,
nicht misstrauisch zu sein! Erzähle weiter!
    Ulrike. Bei mir war wahrhaftig damals das Misstrauen auch sehr stark. Mit der
übelsten Laune von der Welt sah ich die Gesellschaft allmählich ankommen.
Lairesse war die erste, die erschien. Solch eine tolle Lustigkeit, so eine
übernatürliche Unbesonnenheit und so viel Leichtsinn kannst du dir nicht
vorstellen: mich nennte man zu Hause unbesonnen: aber ich bin ein Kato dagegen.
Sie sagte mir so eine große Menge Sottisen beim ersten Anblicke ins Gesicht, so
viele Abgeschmackteiten, dass meine Backen gar nicht aufhören konnten zu
erröten. Ich hasste sie anfangs deswegen, aber in der Folge hat sie mich doch
sehr eingenommen. Man muss ihr ihre Lebhaftigkeit, die oft in Ungezogenheit
ausartet, zugute halten: sie ist sehr dienstfertig, wenn sie es in ihrem
unendlichen Leichtsinne nicht vergisst, und liebt mich wie eine Schwester. Ich
habe ihr zwar nie so gewogen werden können als der Vignali: sie scheint mir auch
ein wenig falsch zu sein: deswegen hat sich seit einem paar Wochen mein Zutrauen
gegen sie sehr gemindert: aber ich mag mich vielleicht irren. - Nach ihr stellte
sich der Herr von Troppau ein: er tat, als wenn er mich unvermutet hier fände,
fasste mich bei der Hand und rief voller Vergnügen: »Ach, da ist ja unsre kleine
Prinzessin! Das ist ein gescheiter Einfall, Vignali, dass Sie das gute Mädchen
mit zu unsrer Gesellschaft ziehen: bei meiner Schwester wird sie ohnehin
Langeweile genug haben. Ich beklage, dass ich vorderhand keine
