 mal, Herr Leibpoet, hat mir da letztens durch meinen Krischan 'n
Karmina primisiren lassen. Soll auch bedenkt sein. Und will ihm hier eine
Schenkasche für machen.«
    Hiermit winkte er dem Ludimagister, welcher das Porträt Seiner Gnaden vom
Tische nahm, und es dem glücklichen Dichter mit vieler Cärimonie überreichte.
    Der Justitiarius nahm die Kallotsche Fratze aus den Händen des Favoriten an,
zuckte (aber freilich so unmerklich als möglich) die Achseln, und war so
boshaft, über die unerhörte Ähnlichkeit zwischen dem gnädigen Herrn und dem
Holzschnitt zu erstaunen. Er witzelte und spöttelte so hämisch, dass es ein
Wunder ist, wenn der Edelmann nichts merkte. Und der artige Herr wäre sehr am
unrechtem Orte gezäumet gewesen, wenn sein Principal Lunte gerochen hätte. Der
war nicht der Mann, der Spaass mit sich treiben ließ, und dem Herrn Justitiarius
war es gar behaglich im Schloss. Sein Dienst war fett, und seine Arbeit gering.
Vorher war er seines Standes wegen dem guten Junker verhasst: nun er sich aber
zur Hofpoetenstelle bequemet hatte, konnt er an Galatagen bei Hofe erscheinen,
und zuweilen ein Wort mitsprechen, so gut als einer.
    Der Herr Präsident hatte indessen den großen Gedanken, Kabinetsminister oder
so was gutes zu werden, noch nicht aufgegeben. Er begnügte sich anfangs, es bloß
durch einen sehr nachdrücklichen Ton, mit dem er die Nachrichten las, dass dieser
oder jener Bürgerliche einen Titel oder eine ansehnliche Stelle erhalten, dem
Junker aus Herz zu legen, dass man nicht eben lauter Edelleute zu Räten mache.
Und der ehrliche Junker hatte von dem Unterschied zwischen einem Kommissionsrat
und Staatsminister keine gar zu richtigen Begriffe. Der eine, glaubte er, sei so
gut ein Minister als der andere. Wie aber der Favorit sah, dass der edle
Siegfried durch den bloßen Ton kein Feuer fangen wollte, nahm er sich die
Freiheit, ihn durch einige Randglossen etwas aufmerksamer zu machen. Als aber
auch das nicht helfen wollte, setzte er in die Schlosszeitung, es gienge die
Rede, dass Se. Majestät den Herrn Justitiarius auf Lindenberg zum Kriegsrate
ernennen wollten. Das schlug an.
    »Nee! das soll der König wohl bleiben lassen. Kann selbst wohl meine Leute
zu was machen, so kann ich.« -
    Mit einem male war das Projekt ein geheimes Konseil anzulegen, wieder im
Gange. Der Herr Bartolomäus Schwalbe sah von der steilen und stolzen Höhe eines
Prämierministers herunter, u. stand an der Spitze des hohen Staatsrates, den
die Herren für ihr Leben gern Konseil permanent genannt hätten, weil das so
hübsch klingt. Weil aber der Schulmeister das letzte Wort nicht dolmetschen
konnte, und sich nicht so tief erniedrigen wollte, den Leibpoeten zu fragen, so
hatte es
