 mit Händen greifen ließe, und dadurch Alle zur Zufriedenheit mit ihrem Zustande, zur Ausübung jeder geselligen Tugend und zur innigsten Dankbarkeit gegen die göttliche Vorsehung ermunterte.
Indem ich mir das herrliche Ideal eines solchen Buches dachte und schüchtern nach dem Manne, der's uns geben könnte, umherblickte; fiel mir ein, dass schon Rousseau (Friede sei mit seinem abgeschiedenen großen Geiste!) einmal ein ähnliches Buch gewünscht und – wie fing mein Puls an zu pochen! – schon zum Teil gefunden habe. Geschwind ergrif ich den zweiten Teil des Aemils, um die angenehme Nachricht davon noch einmal zu lesen; und hier ist die Stelle, worin ich sie fand:
»Solte es wohl kein Mittel geben, so viele in so vielen Büchern zerstreuete Lehren näher zusammen zu bringen? sie unter einen gemeinschaftlichen Gegenstand zu vereinigen, der leicht zu übersehen, nüzlich zu befolgen wäre, und auch selbst diesem Alter zum Antriebe dienen könnte? Wenn man eine Verfassung finden kann, worinnen sich alle natürliche Bedürfnisse des Menschen auf eine dem Geiste des Kindes sinliche Art zeigen, und wo sich die Mittel, für diese Bedürfnisse zu sorgen, nach und nach mit eben der Lebhaftigkeit entwickeln: so muss man durch die lebhafte und natürliche Abschilderung dieses Zustandes seiner Einbildungskraft die erste Übung geben.
Hiziger Philosoph, ich sehe schon Ihre Einbildungskraft sich entzünden. Sezen Sie sich in keine Unkosten; diese Verfassung ist gefunden, sie ist beschrieben und, ohne Ihnen Unrecht zu tun, viel besser, als Sie solche beschreiben würden, wenigstens mit mehr Wahrheit und Einfalt. Weil wir durchaus Bücher haben müssen, so ist eins vorhanden, welches nach meinem Sinne die glücklichste Abhandlung von einer natürlichen Erziehung an die Hand gibt. Dies Buch wird das Erste sein, welches mein Aemil lesen wird; es wird lange Zeit allein seine ganze Bibliothek ausmachen und es wird stets einen ansehnlichen Platz darin behalten. Es wird der Text sein, welchem alle unsere Unterredungen von den natürlichen Wissenschaften nur zur Auslegung und Erläuterung dienen werden. Es wird bei unserm Fortgange zu dem Stande unserer Urteilskraft zum Beweise dienen, und so lange unser Geschmak nicht wird verderbt sein, wird uns das Lesen desselben allezeit gefallen. Welches ist denn dieses wundersame Buch? Ist es Aristoteles, ist es Plinius, ist es Büffon? – Nein; es ist Robinson Krusoe.
Robinson Krusoe ist auf seiner Insel allein, von allem Beistande seines Gleichen und von den Werkzeugen aller Künste entblößt; [Fussnote] er sorget indessen doch für seinen Unterhalt, für seine Erhaltung und verschafft sich sogar eine Art von Wohlsein. Dies ist ein wichtiger Gegenstand für jedes Alter und man hat tausenderlei Mittel ihn den Kindern angenehm zu machen. Man sehe, wie wir die wüste Insel wirklich machen, die
