 noch nicht tun, weil die Gartenarbeiten, zu denen es eben Zeit war, ihre Gegenwart erfoderten.
Zu diesen ward also gleich geschritten. Robinson und Freitag gruben um die Wette und in den Ruhestunden waren sie darauf bedacht, sich immer brauchbarere Werkzeuge zu machen. Robinson, dessen Erfindungskraft und Geduld gleich unerschöpflich waren, kam so gar damit zu Stande, eine Harke zu verfertigen, ungeachtet er die Löcher, zu den Zähnen mit einem spizigen Steine – ihr könt denken wie langsam! ausboren musste. Freitag hingegen schnizte nach und nach mit einem steinernen Messer zwei Spaten aus so hartem Holze, dass sie ihnen beinahe dieselben Dienste leisteten, als wenn sie von Eisen gewesen wären.
Und nun begnügte sich Robinson nicht mehr damit, bloß für die allernötigsten Bedürfnisse zu sorgen: sondern er fing auch nach und nach an, auf eine Verschönerung seines Aufenthalts zu denken. Und so, Kinder, ist es immer in der Welt gegangen. So lange die Menschen noch alle ihre Gedanken auf die Erwerbung ihres Unterhalts und auf die Sicherheit ihres Lebens richten mussten, fiels ihnen gar nicht ein, sich auf diejenigen Künste zu legen, welche nur dazu dienen, die Gegenstände um uns her zu verschönern, und unserer Seele feinere Vergnügungen zu verschaffen, als die bloß tierischen Vergnügungen der Sinne sind. Aber kaum war für Nahrungsmittel und für Sicherheit hinlänglich gesorgt, so fingen sie auch an, das Schöne mit dem Nüzlichen, das Angenehme mit dem Notwendigen verbinden zu wollen. So entstanden dann die eigentliche Baukunst, die Malerei, die Bildhauerkunst, die Tonkunst, und alle die übrigen künstlichen Geschiklichkeiten, welche unter dem Nahmen der schönen Künste begriffen werden.
Robinson fing mit der Verbesserung und Verschönerung des Gartenwesens an. Er teilte seinen Garten nach einem ordentlichen Plane in regelmäßige Felder ein; durchschnit diese Felder mit schnurgraden Wegen, legte lebendige Hecken, Lauben und Alleen an; bestimmte den einen Platz zum Blumengarten, den andern zum Küchengarten und einen dritten zum Obstgarten. In diesen leztern pflanzt' er alles, was er von jungen Zitronenbäumen auf der Insel finden konnte, nebst einer Menge anderer junger Bäume, auf die er Kokusreiser pfropfte. Bei dieser letzten Arbeit machte Freitag besonders große Augen, weil er gar nicht begreifen konnte, wozu das sollte, bis ihm Robinson das Verständnis darüber öffnete.
Jetzt pflanzten sie Kartoffeln und Maiz in großer Menge und weil der Acker vielleicht von Erschaffung der Welt her brach gelegen hatte; so wuchs das Gepflanzte bald zu einer sehr geseegneten Erndte auf.
Unter durch stellten sie auch Fischereien an, weil Freitag wie ich erzählt habe, in der letzten Regenzeit die Neze dazu verfertigt hatte. Sie fingen jedesmahl weit mehr, als sie brauchen konnten, und warfen daher die Überflüssigen wieder ins Meer
