 gewöhnlichen Zimmer zurecht macht; worauf dann Kleberg zu seinem
Schreibtische und Büchern, ich aber an meine Arbeit und Umsicht im Hauswesen
gehe. An dem großen Saale war ein etwas ungeheures viereckiges Zimmer, von dem
mein Mann einen Teil durch lauter Schränke abkürzte; und da streifige Tapeten
darinnen sind, so konnte der Schluss der Türen überall in den Streifen versteckt
werden. Da habe ich nun alle mein weißes Zeug, Kleider und große Putzsachen für
Kleberg und mich, unter andern auch einen Schrank voll von verschiedenem weißen
Zeuge, dass er, aus einem sehr weit gesuchten Beweggrunde, bei einer
Versteigerung in seiner Familie gekauft hatte: Er sagte nämlich den ersten
Lesetag zu den beiden Mädchen, ob ich Achtsamkeit und Geschicklichkeit genug
haben würde, schon gebrauchtes und auch etwas abgängiges Weißzeug zu Rate zu
halten, zu beurteilen und noch zu verwenden; oder, ob ich allein nur lauter
neue Sachen haben und gebrauchen wolle. Er konnte in der Tat auch nichts anders
denken, als dass mein Oheim mich erst durch seine Liebe verzärtelt und dann durch
die Besorgung alles und jedes heimlichen Stücks meines Hausrats mich noch, wie
das Sprüchwort sagt: »auf ein sammtnes Küssen setzte.« Bei unserer ersten
Bekanntschaft und anfänglicher Liebe, sah er mich bei schönen Handarbeiten für
Putz, seidene Strümpfe zu stricken, Lichtschirme und Brieftaschen zu weben, zu
zeichnen und Klavier zu spielen, beschäftigt; lobte mich darüber, besonders auch
über die große Reinlichkeit meiner Person, Kleidung und Zimmers. Meine Bücher-
und Sprachkenntnisse gefielen ihm auch. Das Schimmernde meines Standes hatte ich
nun: dass war aber für das Ideal eines deutschen Weibes, für einen ganz teutsch
denkenden Mann unserer Klasse, nicht genug, wie er sagt, und noch jetzo erst
sagt, da ich seine Frau bin. Er lobte mich, dass ich den neuen französischen
Moden immer nur von ferne folgte, immer nur die simpelsten Formen des Putzes
nachahmte, mit welchen der Ausdruck von Sittsamkeit und bescheidener Würde und
die natürliche Begierde zu gefallen sehr artig verbunden werden könnte. Denn er
behauptete, dass es einen Grad von Modeputz gebe, der einem feindenkenden jungen
Mann das Gefühl der innerlichen Hochachtung benehme, aus welcher allein die
Zärtlichkeit des Herzens entstünde, die unter tausend und aber tausend Mädchen,
nur die Einzige lieben und wünschen lässt. Lieber Mann! sagte ich, machest du
nicht zu strenge Anforderungen an uns gute Geschöpfe? denn wir putzen uns ja nur
für Euch, du bist ja undankbar! Nein, Salie! ich bins nicht; aber dein Oheim hat
Recht, Karoline Boge hat Recht, Kleidung und Putz machen einen Teil des
Charakters aus. Sei zufrieden mit mir, und mit dir! Du bist mir Modell des
liebenswürdigen Mädchen, der schätzbaren Freundin
