 Herr des Hauses, wahres Urbild eines Mannes von Ehre, Rechtschaffenheit
und Wohlwollen. - So, glaub ich, sah immer der erste Ahnherr aus, der einen so
reichen Schatz von Ruhm gesammlet hatte, dass seine Nachkömlinge, nach
Jahrhunderten noch ihren Anteil daran geniesen. --
    Die Dame zeigt in Allem die ganze Bedeutung des Ausdrucks und Werts der
edlen, würdigen Familienmutter. - Die Gestalt ihrer Person bezeichnet die große
richtige Bildung ihrer Seele. - Und wie stark Klugheit, beweisen dieses ihre
Unterredungen voll wahrer Menschenkenntnis und Gottesfurcht; ihr Anstand, der
Ton ihrer Gedanken, der Führung des Hauswesens und der Erziehung ihrer edlen,
verdienstvollen Kinder, welche in der Tat alle vortreffliche Eigenschaften des
männlichen und weiblichen Geschlechts unter sich verteilt haben. - Und um mich,
meine Teure van Guden, eines Ihrer Ausdrücke zu bedienen, so sind die
moralischen Vorzüge, die Eltern geben, und Kinder erwerben können, bei einem
jeden der Söhne und Töchter, in einer eignen Schattirung, und eigenen Form. Möge
doch der Ton der Seele dieser Familie sich bis auf die spätsten Enkel
fortpflanzen! - so werden wir immer Modelle und Beweis von Adel haben. -
    Mich dünkt aber dabei, - dass der Wohnplatz dieser edlen Familie durch seine,
von Andern abgesonderte Lage, ja selbst der tägliche Anblick der Überreste des
Stammhauses, vieles zu der Selbstständigkeit ihres Denkens und ihrer Handlungen
beigetragen hat; -- indem, da sie ihren Gang allein nahmen, das Anstossen,
Mitziehen und Reiben der Andern die Ausbildung ihrer eignen, edlen Form nicht
hinderte, und sie hingegen oft genug in Gesellschaft kamen, um durch die feine
Gefälligkeit, im Umgang das beliebte Aeusserliche zu erlangen; welches aber in
dieser Familie nichts anders ist, als die Glättung, welche die Hand eines
Phidias seinem Meisterbilde zuletzt gibt. -- Ich wünschte Sie hier, meine
Freundin. Sie würden sich gewiss mit einem Teil der großen Welt versöhnt haben.
- - Umstände helfen zu Vielen und hindern auch viel. --
    Aber kommen Sie. - Wir fahren in einer großen Gesellschaft über einen Fluss
und steigen auf einem sehr gemächlichen Weg den Berg hinauf, an dessen Hälfte
die Ruinen des Stammhauses stehen. Der schroffe Felsen, auf den es gebaut war,
macht noch einen Absatz grad über der Ecke des Bergs, die sich auf einer Seite
an dem Fluss, und auf der andern, an dem Ende eines einsamen Wiesentals
hinstrecket. Von dem alten Schloss an ist die Oberfläche des Bergs mit
tausendfachen Kräutern und Gesträuch bedeckt und die Dame hat viele hundert
Obstbäume da pflanzen lassen. Denn lange war da Alles öde und verwildert, bis
die tätige und empfindungsvolle Seele dieser Frau das fruchtbare Benutzen, und
die angenehme Aussicht mit Vergnügen genießen machte
