 die ganze weibliche Welt aufbieten, um mir noch eine
Mariane zu weisen! Mit was für einer schmeichelhaften Wendung sagen Sie mir, dass
Sie sehr zufrieden sind, in acht Tagen keinen Brief von mir gesehen zu haben. So
macht es die edle Liebe, die Freude, das Glück des Freundes wird dem eigenen
vorgezogen. Es ist Ihnen lieb, sagen Sie, dass mein Kopf und Herz Beschäftigungen
hatte, die mich hinderten, Ihre Abwesenheit zu fühlen, und meine Arme
auszustrecken, um von allen Wesen allein Sie zu umschlingen; und gerne wollen
Sie meine feurige Zärtlichkeit für Sie in gemässigte Wärme verwandelt sehen, wenn
ich zugleich gerechter und liebreicher gegen andre werde. O, Mariane! gerecht
war ich just in dem Augenblick, da Sie den vorzüglichsten Teil meines Herzens
und meiner Hochachtung erhielten! Fodern Sie mich nicht auf, gerecht zu sein,
denn da muss ich jedem geben, was ihm gebührt, und dann kommt noch viele Nahrung
zu dem Feuer meiner Zärtlichkeit für Sie. - Aber liebreich, meine Mariane,
liebreich und billig will ich sein! - Ich weiß es, nicht jeder Geist kann, wie
der Ihrige, angebauet, nicht jede weibliche Seele so groß, so edel, wie die
Ihrige, sein; aber, alle könnten doch - ich sehe Ihre Hand, die mir den Mund
zuhalten will. - Ich schweige selbst, und gewiss, ich wollte nichts Hartes sagen.
Sie wollen, dass ich durch Taten rede! Ja, meine Freundin, ich will; und da
meine armen Briefe das einzige Kennzeichen sind, nach welchen Sie meine
Handlungen beurteilen können: so sollen diese beweisen, ob ich so gut werde,
als Sie es wünschen; und gleich will ich mir eine artige, ganz romantische
Begebenheit unsers Koncerts zu Nutz machen, um Sie zu überzeugen, dass ich nicht
so unverträglich bin, als der manchmal heftige oder nur eifrige Ton meiner
Gedanken es vermuten lässt.
    Ich muss in meinem Gespräch mit Mademoiselle G**, nachdem sie gesungen hatte,
billig genug gewesen sein, und sie nicht verhindert haben, jede gute Eigenschaft
ihres Verstandes und Herzens zu zeigen, weil Sie sich durch diese Unterredung
eine vorteilhafte Heirat zuzog. Sie hatte Italienisch gesungen. - Ich fragte,
ob sie die Sprache verstünde? munter sagte sie mir: Signora fi. Ich redte gleich
im Italienischen fort, und sie sagte sehr schön, sehr geläufig, alles Gute, was
sie über meine Frage dachte. Wir vermuteten nicht, dass gleich hinter uns ein
Fremder saß, der aus Venedig kam, und alles, was wir redeten, um so eher hörte,
als es meistens von uns Deutschen geschieht, eine fremde Sprache stärker und
lauter auszusprechen, als gewöhnlich die eigene.
