 eines der ersten Stücke, so sie in ihrem
Hause zurecht machen ließ, ein Badzimmerchen ist, dessen sie sich fast alle Tage
bedient. Sie hat einen Bedienten und dessen artige Frau mitgebracht, hier aber
noch zwei Mägde angenommen, die sich sehr glücklich bei ihr finden. Übrigens
isst sie sehr wenige und einfache Speisen.
    Sprachen versteht sie, allem Anschein nach, sehr gut; denn bei dem
Buchführer hat sie alle historische und physische Bücher, auch
Reisebeschreibungen begehrt, die Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch
herausgekommen sind; und auf dem Postamt alle Zeitungen und Journale, die in
diesen Sprachen ausgehen, bestellt. Die beiden Mahler in der Stadt hat sie schon
etlichemal bei sich gehabt, und ihnen ihre große Sammlung von Kupfern gewiesen,
welche das einzige sein soll, was sie mitbrachte; denn alles weiße Zeug, Maublen
und Kleider schaffte sie sich hier an. Aber in die Stadt hat sie noch keinen Fuß
gesetzt. Nur einsame Spatzierfahrten machte sie in ihrem artigen Englischen
Wagen, stieg an dem Wäldchen mit ihrer Kammerfrau aus, und ging allein, von ihr
entfernt, spazieren. Das Klavier soll sie ganz vortrefflich spielen, und der Ton
und die Musik ihrer Stimme fasst, nach Herr Ott und G**, die sie auf der
Stadtmauer belauschten, so viele Kunst in sich, dass sie sie für eine, durch ihr
Talent bereicherte, Sängerinn halten, die durch ein Teaterunglück, oder einen
Anfall von Eigensinn, der diesen Personen oft anklebt, hieher gekommen ist, um
ihrem Andenken eine Stelle in dem Tempel des Ruhms und der Tugend zu erwerben. -
Dies sagten mir die boshaften Leute just den Abend, da ich, ganz von ihr
eingenommen, meine Unterredung mit ihr erzählte und ihr Bild beschrieb, so wie
es mir erschienen war. Es mag sein, wie es will, so freut mich ihre
Bekanntschaft, und ich werde sie fortsetzen, so weit sie es gehen lassen wird.
    Gestern und vorgestern hat es stark geregnet, und ich war heute nicht ganz
wohl. Aber Morgen Abend werde ich mit Julien. Orten, Herrn und Frau G**, selbst
auf die Mauern klettern, um sie singen zu hören. Adieu! von
                                     Ihrer
                                                                        Rosalia.
 
                           Zwei und funfzigster Brief
Wem soll ich danken? Ihrem Herzen, Ihrem Genius, oder beiden zugleich, die mich
die Freude genießen lassen, jede meiner Ideen und Empfindungen vor Sie dringen
zu können, wie man sich vor einen Spiegel stellt, um durch ihn das schickliche
und unschickliche der Kleidung und Gebehrden, Fehler und Vollkommenheiten der
Gestalt zu erblicken, welcher auch unermüdet, über den bei großen und kleinen
Anlässen vervielfältigten Gebrauch, immer mit gleicher Redlichkeit das Güte und
Tadelhafte beleuchtet. So lässt mich auch, Mariane,
