. - Da hielten Sie wohl ein Schnupftuch vor, und sagten: Mir blutet die
Nase? fragte Junker Gottard.
    Hermann hatte die Art, wenn ihn jemand seines Gleichen was fragte, nicht zu
antworten, sondern recht, als fürchtete er etwas, anstatt der Antwort wieder zu
fragen: Wie so? Er begegnete der Frage durch ein andere Frage, und so wie kluge
Leute, wenn sie nach gotischer Weise examinirt werden, die schwere Pflicht zu
antworten sehr weislich auf den Frager schieben; so machte es auch Hermann, und
eben hiedurch gewann er Zeit, erhielt sich bei Ehren, und suchte sich, wie alle
Leute seiner Art, zu präserviren.
    Dem Junker Gottard, der doch wahrlich nicht seines Gleichen war, begegnete
Hermann auf gleiche Weise; indessen gewöhnte er ihm sein: wie so? auf eine so
auffallende Art ab, dass Hermann sich bei jeder Frage verscheute, wenn gleich sie
nicht: wie so? war.
    Das ist so platt, dass es keine Nase hat, sagte Hermann zum Herrn v. W. über
einen Ausdruck des Junkers Gottard; allein er fand keinen Beistand, vielmehr
ward er auch vom Herrn v. W. auf eine Art angelassen, dass, um seinen
gewöhnlichen Ausdruck beizubehalten, ihm die Ohren klangen. Da verdienen Sie
eine Nase, erwiderte Herr v. W. und freute sich, dass bei seinem Scheltwort
wenigstens ein Wohllaut, wie er dafür hielt, anzubringen gewesen. - Wohllaut
Herr v. W.?
    Die Gewohnheit, die Hermann, seit so lange ich ihn kenne, hatte, seine Weste
mit Nadeln zu bestecken, dass sie wie mit goldenem Rundschnur besetzt aussah, hat
ihm Herr v. W. glücklich abgewöhnt. - Versteht sich, mit Höflichkeit.
    Vor kurzem nahm mein Schwiegervater bei Gelegenheit der Nase die Sache des
Junkers Gottard; jetzt rettete er Hermanns Ehre, als Gottard ihm den Schneider
vorrückte. Federschneider wollen Sie sagen, fiel ihm Herr v. W. ein. Freilich
hätte Gottard bedenken sollen, dass Hermann ein Häusling des Herrn v. W ist.
Gottard war gewohnt, dem Herrn v. W. nachzugeben. Es blieb beim Federschneider.
Viele nannten den Hermann Sekretär, und man ließ sie, ohne dass sie
zurechtgeholfen wurden, dabei.
    Um die Zeit, wenn der Inspektor seinem Vater das Jahrgeld sendet, ist
Hermann so tief in Gedanken, dass Herr v. W. alle Mühe hat, ihn zu zerstreuen. -
Er könne sich, sagt Herr v. W., vor Unruhe nicht bergen. - Wie das kommen mag!
Wenn es nur nicht mit Hermann zum Ende geht! sagte Herr v. W., da er mich zum
letztenmal besuchte. -
