 Königs David
angesehen war. - Hermann hatte nun wohl schon längstens das Schulhandwerk
aufgegeben; indessen hatte er ein Temperament, das hier mehr galt, als der
Umgang mit der Jugend.
    Wenn er zur Treppe heruntergeworfen wird, sagte Herr v. G. der Selige, kommt
er zuverlässig, seinen Hut zu holen. - -
    Hast du, lieber Leser, je einen observirt, der dem andern zu Gefallen lacht
oder weint? Beides ist hässlich! Unendlich lieber aber will ich, jemanden zu
Gefallen, weinen als lachen sehen. Wie Ekel, wenn man jemanden zu Gefallen
freundlich tut! - Hermann war ein dergleichen Klag- und Freudenweib. Er gibt,
wie Herr v. G. der Selige sagte, wie ein Teich, nasse und trockene Nutzung.
    Der Stolz ist zweierlei, innerlich und äußerlich. Leibes- und Seelenstolz.
So kann man stolz sein auf seine Nase, Augen, Ohren, aufs Zifferblatt; allein
auch aufs Werk selbst, auf die Seele. Dieser innerliche Stolz, wenn er übel
angebracht ist, heißt Aufgeblasenheit. Dies war Hermanns Fehler, den er beim
Herrn v. W. abzulegen schwerlich Gelegenheit finden wird. Von seinem
Schnupftuche hängt ein großer Teil aus der Tasche. Er schmückt sich gern mit
einem lateinischen Wörtchen, welches wie ein Schönfleckchen absticht.
    Herr v. G. selbst indessen, wenn er noch lebte, würde dem Hermann, dieses
Schönfleckchens und des herausragenden Schnupftuchs unerachtet, das Zeugnis der
Besserung in sehr vielen Stücken nicht versagen. - Wir wollen uns nur der
stillverweinten Träne zurückerinnern, da ich mit Minen zu Bette ging!
    Seine Einfälle freilich hat er noch nicht gelassen; wer lässt aber auch
Busensünden so leicht? Sie sind Parderflecken.
    Herr v. G. der Selige nannte seinen Witz des Satans Engel, der ihn mit
Fäusten schlüge, und wahrlich mit Recht! Seine Einfälle? Sind sie denn Einfälle?
Kaum! Es sind Gypsabgüsse von Witz.
    War es Wunder, dass Hermann wieder zu Kräften kam, da ihm Herr v. W. mit Rat
und Tat so höflich beistand? Der Tremulant ward zwar noch zuweilen gezogen;
indessen ließ von Zeit zu Zeit der Trompetenzug sich hören.
    Lange hungern, ist nicht Brod sparen, sagte Junker Gottard, der gute Junge.
Er hatte eine gewisse Antipathie wider den Hermann von seinem Vater geerbt. -
Jüngst sah er mich an, und liebängelte mir auf Rechnung meines Schwiegervaters
und seines Waffenträgers zu. Das Wetter, sagte er, kennt man am Winde. Als
Hermann von seinen ausgestandenen Unglücksfällen anfing, machte ihn Gottard mit
der Bemerkung still: was ein guter Haken werden will, krümmt sich in Zeiten.
Hermann erzählte eine Beleidigung, die ihm ohne sein Verschulden zugefügt
worden
