 Freundinnen und Gönnerinnen waren seine Spione: sie
mussten ihm von jedem verfertigten Verse ihrer Liebhaber Nachricht geben, das
neue Produkt in Abschrift ausliefern und ihre skandalose Geschichte zu wissen
tun. Aus diesen drei Materialien machte er sein Pulver, und sein Wiz diente ihm
zur Kanone. Wenn er die Überlegenheit eines Mannes fühlte, so ließ er ihm sein
Manuskript wegstehlen und verbrennen, oder Stellen heimlich einschieben, die es
zum Beifalle schlechterdings unfähig machten: die Buchdrucker führte er deswegen
insgesamt an seinem Seile. So bald er die Geringfügigkeit, das Mittelmässige
eines neuen Werkes merkte, so arbeitete er, durch versteckte Wege die
Bekanntmachung desselben zu beschleunigen, und gleich darauf erfolgte ein ganzes
Packet Schmähschriften, Parodieen, die es so lächerlich machten, dass es
niemanden nicht einmal mittelmäßig schien: alle waren seine Arbeit, und seine
Kreaturen mussten sie ausstreuen oder drucken lassen: oft ließ er im Manuskripte
Satiren auf Werke herumlaufen, die noch unter der Presse brüteten. Wenn ein
neues gutes Werk ohne sein Vorwissen, oder ohne dass seine List es hindern
konnte, an das Licht gelangte, so war ER der erste, der es unter dem Namen eines
schlechten Mannes von übelm Kredite so ausgelassen lobte, dass es einem großen
Teile schon dadurch verdächtig, und allemal der Eindruck desselben geschwächt
wurde. Einmal widerfuhr ihm das Unglück, dass ein mutiger Mann seiner List und
seiner Unverschämtheit trozte: er ließ sich mit Fleis sein Manuskript stehlen,
indessen dass er an einem entfernten Orte eine andre Abschrift davon drucken
ließ, die schon in den Händen des Publikums war und allgemein gelobt wurde, als
der betrogne Nikanor noch ruhig über seinen Raub triumphirte. Plözlich erfuhr
er, wie man ihn hintergangen hatte; er wütete, wie ein Löwe, besonders da ER
darin die lächerrlichste Hauptrolle spielte, und jedermann sich schon auf seine
Unkosten belustigte, ehe er es nur vermuten konnte. Sein Gegner hatte sich zwar
versteckt, aber es gelang Nikanorn doch, ihn auszuforschen: nun fing der
drollichste Krieg an. Man focht von beiden Seiten mit den schärfsten Waffen des
komischen Witzes; und am Ende hatten sie den Nutzen, dass beide lächerlich
gemacht waren: doch eignete sich Nikanor den Sieg zu, weil er das letzte Pasquill
drucken ließ. Durch diesen Krieg sank er in den Augen des Publikums: doch blieb
er noch immer der gefürchtete Tirann in dem Reiche des Witzes, dem jeder
huldigte und den ersten Rang zugestehn musste, wenn er den zweiten nach ihm haben
wollte. Er unterhielt eine Menge Lobredner, die für ein kleines Lob, das er
ihnen aus Gnaden zuweilen zuwarf, sich für seine Verdienste zur Posaune der Fama
gebrauchen ließ: wenn sie weiter nichts tun konnten, so mussten sie wenigstens
seinen Namen in dem Andenken des Publikums
