 sich zu ihrem Manne zu begeben und mit ihm zu
unterhalten.
    So zurückhaltend und lakonisch der Fremde war, so offenherzig aus der Brust
heraus redte hingegen Belphegor: und bald fanden sie beide, dass ihre Denkungsart
nicht ganz disharmonisch war; sie wurden einander interressant und in kurzem
Freunde, doch lange nicht so sehr, dass der Fremde auf die vielen Zunötigungen,
sich entdeckt hätte. Endlich machte einstmals die Flasche, womit er Belphegorn
häufig bewirtete, seine Zunge so geläufig, das er folgendes Bekenntnis ablegte:
- Ich war ehemals ein Herrenhuter, konnte aber den verschleierten Despotismus,
der diese Gemeine unter den heiligsten Benennungen tyrannisirt, nicht länger
mehr erdulden, und trennte mich deswegen von ihr. Menschen geboten uns
willkührlich und wollten uns überreden, dass die Stimme des heiligen Geistes
durch sie gebiete. Ich glaubte dem heiligen Geiste nicht mehr blindlings und
wurde deswegen gemishandelt: ich verlies eine Sekte, wo die natürliche Freiheit
ungleich mehr eingeschränkt ist, als in der despotischen Monarchie, und die
Schranken ungleich schwerer erweitert werden, weil sie mit der Heiligkeit
überfirnisst und zugleich die Stützen des Ganzen sind, um dessentwillen sie je
länger, je mehr vervielfältigt werden müssen, so dass zuletzt entweder ein Pabst
mit etlichen listigen Füchsen den übrigen Haufen ganz abrutiren muss, um ihn in
Ruhe nach Willkür, wie Marionetten, zu regieren, oder die ganze Gesellschaft
ein Trupp so verdorbner Christen voll Zanks, Uneinigkeit und Tumult werden wird,
wie die übrigen alle. Solltest du denken, dass unter der stillen friedfertigen
Mine des Bruders das nämliche Herz lauscht, und dass seine Gesellschaft eine Welt
ist, wo der Schwächre eben so sehr unter schönen Namen betrogen und tyrannisirt
wird als in andern Gesellschaften? - Glaube mir, es ist so! Ich entsagte dem
separatistischen Despotismus und durchlief Königreiche, Herzogtümer und
Fürstentümer, Aristokratien und Republiken, allenthalben begegnete ich dem
Despotismus im Großen oder im Kleinen, unter dieser oder jener Maske, versteckt
oder offenbar. In jedem, auch dem kleinsten Staate lauschte dies vielköpfichte
Ungeheuer, und ganz Europa schien von ihm verschlungen zu werden.
Regierungsgehülfen, denen die Gunst des Fürsten mehr galt als die Glückseligkeit
des Volks, untergruben listig die Schutzwehren, die die Monarchie vor den
Eingriffen des Despotismus sichern sollten, oder warfen sie aus eigener
Herrschsucht mit Gewalt nieder: sie legten der Nation Lasten auf, dass sie sich
unter der Bürde krümmte: und beschwerten sie, um sie glücklich zu machen.
    Um es glücklich zu machen! rief Belphegor verwundert. -
    Ja, Freund! Man ersann eine Philosophie, deren oberster Grundsatz im Grunde
war: man muss den Menschen das Leben sauer und schwer machen, um sie glücklich zu
machen. Man hatte bemerkt, dass Staaten durch Industrie und Geschäftigkeit
blühend und
