 unmittelbar von Gott selbst
gemacht worden sei.
    Der Anblick eines so vegetirenden Geschöpfes musste Belphegorn natürlich
aufbringen, besonders wenn er es mit den hülflosen Mitgeschöpfen verglich, die
ihm die Mittel zu einer so weichlichen Bequemlichkeit erarbeiten mussten: er
wollte nicht mehr dieselbe Luft mit ihm atmen, oder von Einem Dache mit ihm
bedeckt sein; und als er eines Tages den Auftrag bekam, ihn mit der Verlesung
seines Geschlechtsregisters einzuschläfern, so tat er ihm mit dem Eifer eines
Busspredigers eine so nachdrückliche moralische Vorhaltung seiner noch weniger
als tierischen Lebensart und der Unterdrückung, die er begehn müsste, um sie
genießen zu können, dass der Mann kein Auge zu tun konnte, worüber er so
ergrimmte, dass er den armen Belphegor, als einen unbrauchbaren Bedienten, zum
Hause augenblicklich hinausweisen ließ. Das Schicksal war hart, aber ein kleiner
Rest von Stolze, der ihn überredete, für die Wahrheit eine Aufopferung getan zu
haben, stärkte ihn hinlänglich, dass er so aufgerichtet und frölich, wie ein
Märtyrer, über die Schwelle schreiten konnte.
    Er nahm seine Zuflucht zu Akanten, die noch, so sehr sich ihre Reize auch
vermindert hatten, aus dem nämlichen Grunde gern mit der Liebe spielte, aus
welchem ein alter Fuhrmann gern klatschen hört, wenn sein Arm zu steif ist, die
Peitsche selbst zu regieren. Sie war - wenn man ihre Verrichtung bei dem
eigentlichen Namen nennen darf - eine Kupplerinn, und genoss die Freuden ihrer
Jugend wenigstens in der Einbildung, wenn sie den fremden Genuss derselben vor
sich sah, da das unbarmherzige Alter sie leider! unfähig gemacht hatte, sich in
der Wirklichkeit daran zu vergnügen. Ihr Mann, der mit seinem Kopfe immer auf
irrendritterliche Fahrten ausgieng, konnte über dem Eifer, die ganze Welt zu
bessern, nicht daran denken, sein Haus zu bessern, das durch die Geschäftigkeit
seiner Frau einem Bordelle nicht unähnlich geworden war. Er merkte nicht das
mindeste hiervon, sondern lebte nunmehr von der Einnahme seiner Frau,
unbekümmert, dass sie der Gewinst einer Unterdrückung war, die alle andern
überwiegt - der Unterdrückung der Tugend. Indessen dass diese ohne sein
Bewusstsein täglich hinter seinem Rücken geschah, schwärmte er mit seinen
Gedanken in der Welt herum, suchte Materialien zum Ärger auf und zürnte, dass
die Natur nicht IHN um Rat gefragt hatte, als sie eine Welt schaffen wollte.
Mitten unter seinem traurigen Zeitvertreibe geriet er in die Bekanntschaft
eines Mannes, der sein Haus oft besuchte, Akanten reichliche Geschenke machte,
ohne jemals mehr zu tun, als bei ihr ein und auszugehen. Da er also bei den
Lustbarkeiten, die an dem Orte vorgenommen wurden, bloß ein überflüssiger und oft
lästiger Zuschauer war, so bekommplimentirte ihn Akante so lange, bis er sich
zuweilen bereden ließ,
