 fand deutliche Spuren, dass Kunst gebraucht worden war, den
Fall zu befördern: er forschte mit aller Strenge nach ihm, doch ohne ihn zu
entdecken. Diese Fruchtlosigkeit seiner Bemühung ließ ihm eine Verschwörung
vermuten, in welche, wo nicht das ganze Harem, doch wenigstens der größte Teil
desselben verwickelt sein musste: teils um zu strafen, teils um abzuschrecken,
ließ er ein schreckliches Blutbad anrichten, das die Hälfte des Serails und mit
derselben auch meine vorige Gebieterinn wegnahm. Ich bat, ich flehte; aber der
rasende Fali war unerbittlich und ruhte nicht eher als bis er die
Zusammenrottung in Strömen Menschenblut ersäuft hatte.
    Kurz nach diesem grausen Auftritte entzündete sich ein neuer Krieg: alles
war in Zwietracht; und mein alter Evnuche berichtete mir, dass ER der einzige
Urheber dieser Unruhen sei und sie zu Beförderung seiner Absichten nie erlöschen
lassen dürfe. - Und welche sind das? fragte ich neugierig. - Absichten,
erwiderte er, deren Reife herannaht. So höre dann! Den Mann, in dessen Umarmung
du bisher die süßesten Empfindungen der Liebe geschmeckt hast, sollst du
stürzen. - Ihn? fuhr ich auf: ihn, von dessen Händen ich Glück und Wohlsein
empfing, der mich auf die oberste Staffel seiner Gunst erhob, ihn sollte ich
stürzen? Undankbar will ich nimmermehr sein. - So stürze dich! war seine kalte
Antwort. Wähle zwischen seinem und deinem Untergange! - Ich wollte Einwendungen
machen und Fragen tun, aber er schnitt mir meine Rede gerade zu ab, verbot mir
alle Declamationen und befahl mir zu wählen, und dann zu hören, was ich gewählt
hätte. Keine Verlegenheit kann in der Welt größer gewesen sein, als die meinige
damals: sich selbst, oder seinen Wohltäter schaden müssen, ein trauriger
Wechsel! Ich gehorchte dem Verlangen meiner Selbsterhaltung und bezeigte mich zu
den Anschlägen des bösen Evnuchen bereitwillig, der mich alsdann durch den
schrecklichsten Schwur die Bewahrung des Geheimnisses angeloben ließ. Der große
EDZAR, fing der Bösewicht an, der Nebenbuhler unsers Herrn, hat mich zu der
Ausführung seiner Absichten ausersehen; ich habe mich ihm verpflichtet und muss
schlechterdings seinen Auftrag zu Stande bringen. Er gebot mir eine von den
niedrigsten Sklavinnen in die Gunst des Fali zu bringen, deren Glück in meiner
Gewalt wäre, und die also entweder sich in unsre Entwürfe fügen oder ihrer
eignen Erhaltung entsagen müsste: ich wählte dich dazu, und du hast dein Glück
dem Glücke eines andern vorgezogen, was man leicht voraussehn konnte. Vernimm
also was dir weiter zu tun obliegt! Der große mächtige Herr deines Herrn wird
dich von ihm verlangen: es wird ihm schwer werden, und ich will machen, dass es
ihm unmöglich wird, dich zu missen, eben so wie der Feldherr
