 das er unter eine losgegangne Diehle
versteckt hatte; und Xaver musste, ob er sich gleich anfangs weigerte,
mitspielen. Er war zu gefällig, und widersprach nicht gerne. Man müsse doch was
zu tun haben, sagte Kreutzner, und könne nicht stets studieren; die Professoren
machten auch wohl ein Spielchen; es sei bloß zum Zeitvertreib; sie wollten daher
nur eine Kleinigkeit einsetzen, u.s.w. Dem ungeachtet verlor Xaver über einen
halben Gulden; denn er spielte ehrlich, und Kreutzner betrog, wo er konnte. Den
andern Tag hatte Siegwart noch frei, und richtete seine Sachen ein. P. Philipp
ließ ihn Abends auf sein Zimmer kommen, und sprach viel mit ihm. Sein freies,
muntres Wesen und seine Herablassung nahm ihn sehr ein. Er erzälte, mit der
größten Anmut, allerlei Anekdoten aus der Geschichte, die seine
Lieblingswissenschaft war; mischte rührende Bemerkungen mit ein, die von seinem
edelen Herzen zeugten, und wiess viele artige Landschaften vor, die er selbst mit
Tusch gezeichnet hatte. Xaver ging sehr vergnügt weg, nachdem er vorher, zu
seiner größten Freude, hatte versprechen müssen, ihn öfters Abends zu besuchen,
oder einen Spatziergang mit ihm zu machen. Er musste wieder mit Kreutznern
spielen, und verlor diesmal einen Gulden.
    Den folgenden Tag wurde er von den vier obersten Professoren, unter denen P.
Philipp auch war, examinirt. Sie waren mit seiner Herzhaftigkeit, und seinen
treffenden Antworten, die von seinem gesunden Verstande zeugten, sehr zufrieden,
und beschlossen einmütig, ihn in die dritte Klasse zu setzen, wo der Syntax,
oder die gründliche Erlernung des Lateinischen hauptsächlich getrieben wird.
Siegwart, dem es weder an den gehörigen Grundsätzen, noch an Eifer und Verstand
fehlte, schickte sich sehr bald in die Ordnung, und erhielt den Beifall seiner
Lehrer völlig; denn sie waren vernünftig und sahen, dass es ihm ernstlich
angelegen sei, ihnen durch Folgsamkeit zu gefallen, und sich selbst durch
gründliche Einsichten zu vervollkommen. Er faste das mechanische der
Lateinischen Sprache bald; aber doch war ihm mehr am Kern, als an der bloßen
Schaale gelegen. Er sah bei den Stellen, die aus Römischen Geschichtschreibern,
besonders aus dem Nepos genommen waren, und in der Schule erklärt, und übersetzt
wurden, immer auf den Innhalt. Auf der Stube las er die erklärten Stücke wieder
durch, und verweilte sich oft Stundenlang bei edelen Handlungen, die der
Menschheit, und ihren Urhebern Ehre machen. Besonders waren Cimon, Epaminondas,
Konon, Leonidas, Aristides, Phocion, Timoleon und andre Edle seine Leute. Er
liebte, und bewunderte die großen Seelen, die sich und ihren eignen Vorteil
dem allgemeinen Besten aufopferten. Bei ihrer heißen Vaterlandsliebe glühte
seine
