, dass Siegwart einmal im Konzert ihn mit seinem Spiel so
verdunkelt hatte. Daher sprach er sehr wenig mit Siegwart, blickte stolz auf ihn
herab, und ließ allerlei spöttische und zweideutige Reden fallen. Siegwart
merkte es, tat aber doch sehr freundschaftlich gegen ihn, und gab sich Mühe,
ihm eine günstigere Gesinnung gegen sich einzuflößen. Der Bruder sagte
Marianen, es werde nicht gut stehen, wenn sie wieder so spät nach Hause komme,
wie das letztemal; Man spreche von solchen Mädchen nicht zum Besten, u.s.w.
Mariane, die mit ihrem Anzug beschäftigt war, tat, als ob sie seine
Hofmeisterei nicht hörte.
    Als sie fertig war, ging sie mit Siegwart nach dem Ball. Auf dem Weg dahin
beschwerte sie sich über ihren Bruder. Es ist ein fataler Mensch, sagte sie, dem
man nichts recht machen kann; er will alles besser wissen. Sie wissen sich gut
in ihn zu schicken, und das gefällt mir, u.s.w. Siegwart war über ihre
Offenherzigkeit ganz bezaubert, und zog tausend günstige Schlüsse daraus.
    Als sie auf den Tanzsaal kamen, ward alles auf Marianen aufmerksam. Sie
hatte ein Kleid von rosenrotem Tafft an, und glich in ihrer Heiterkeit und der
frischen Gesichtsfarbe der Göttin der Morgenröte. Kronhelm hatte an der Tafel
schon einen Platz für sie neben sich belegt. Noch vor dem Essen musste Siegwart
eine Menuet mit ihr tanzen. Anfangs zitterte er, und machte fast alle Schritte
falsch. Nach und nach kam er in den Gang, und tanzte recht zierlich. Alle ihre
Bewegungen hatten die größte Leichtigkeit und Ungezwungenheit, und den schönsten
Anstand. Sie tanzte nicht ängstlich nach dem Takte, sondern mit Empfindung und
Gefühl, und machte viele Abänderungen. Sie sah unserm Siegwart immer ins
Gesicht, so dass er oft die Blicke wegwenden, oder niederschlagen musste. Bei
Tisch ward die Gesellschaft aufgeräumt und munter. Man sprach viel ins
Allgemeine. Das Mädchen, das Kronhelm bediente, war eine lustige, etwas vorlaute
Brünette, die sehr oft zur Unzeit ihren Spaß anbrachte. Sie wollte immer aller
Augen, und die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft auf sich ziehen. Endlich
ließ sie sich doch mit Dahlmund, der ihr auf der andern Seite saß, und nicht
gleichgültig gegen sie zu sein schien, allein in ein Gespräch ein. Kronhelm
unterhielt sich nun mit Marianen, und mit Siegwart, der im Taumel seiner Liebe
nicht wusste, was er anfangen, oder reden sollte? Kronhelm sah eine Zeitlang
starr und traurig vor sich hin, holte einen tiefen Seufzer, grif endlich hastig
nach dem Glas, stieß an Siegwarts seines, und sagte: Terese! O, das trink ich
auch mit, sagte Mariane, und
