 werden, aus deren
Atmosphäre höchstbilligerweise alle Personen ausgeschlossen sind, die keine
Ahnen aufzuweisen haben, und wäre ihr Gemahl nur irgend zu etwas anderm
geschickt gewesen, als auf die Jagd zu gehen, zu trinken und alle Anordnungen
seiner Gemahlin zu bewundern, so hätte sie nicht eher geruhet, bis er sich mit
ihr nach Hofe begeben. Hätte sie einen Sohn gehabt, so würde sie ihn zu einem
adeligen Amte erzogen haben, und sollte es auch nur eine Fähnrichsstelle gewesen
sein. Da sie aber bloß Töchter hatte, so ging sie damit um, ihnen eine so
galante Erziehung zu geben, dass sie durch ihr Vermögen und ihre Reize Grafen,
Minister oder Generale fesseln könnten, durch welche vorteilhafte Vermählungen
sie noch hoffte, am Hofe und vielleicht im ganzen Lande in hohes Ansehen zu
kommen: die größte Glückseligkeit, die sie sich in ihrer Einbildung vorstellen
konnte!
    Mariane war nun das Werkzeug, wodurch beide junge Fräulein zu so wichtigen
Absichten geschickt gemacht werden sollten. Hiezu war nötig, mit fertigen Lippen
von nichts und über nichts französisch zu plappern; alle Vorteile des Putzes
ihrem Körper gemäß so zu gebrauchen, damit er, es sei im nachlässigen
Nachtkleide oder in der sittsamen Roberonde oder in der prächtigen Galarobe mit
ausgespreizetem Panier und schwimmender Schleppe, Augen und Herzen der Kavaliere
an sich ziehen müsste; den Verstand aber hauptsächlich zu der wichtigen
Untersuchung zu bilden, ob die eroberten Herzen behalten oder ob sie, nachdem
damit eine Zeitlang wie mit einem Balle gespielt worden, in den Winkel geworfen
werden sollten. Sobald sie dies alles verstanden, so hatten sie die
hauptsächlichsten Wissenschaften gelernt, welche ihre Mutter jeder jungen Dame
nötig hielt, die in großen Gesellschaften glänzen will.
    Im Grunde schien Mariane zur Lehrerin so wichtiger Dinge nicht eben
geschickt zu sein. Nach ihrem schlichten, gesunden Verstande glaubte sie, der
Vorzug eines Frauenzimmers bestehe vielmehr darin, dass sie gut als dass sie schön
und galant sei. Obgleich selbst sehr wohlgebildet, hatte sie doch niemals Wert
darauf gesetzt, vielleicht weil ihr noch nie eine Mannsperson gesagt hatte, sie
sei schön. Zum Putze hatte sie zwar, ohne es zu wissen, eine natürliche
Geschicklichkeit, indem ihr alles sehr wohl anstand, was sie selbst anlegte oder
für andere wählte, welches den Friseur Picard bewog, sie für eine wirkliche
Französin zu halten; aber sie hatte den Putz noch niemals gebraucht, um
Absichten damit zu erreichen. Sie kannte die Reize der großen Welt nicht und
verlangte auch nicht, sie zu kennen, denn ihre mäßigen Wünsche waren bisher sehr
leicht befriediget worden. Ihr höchster Wunsch war vorher, die Liebe ihrer
Eltern zu verdienen, und jetzt, ihre Pflicht zu erfüllen.
    Wenn Mariane eine schlechte Lehrerin war, so waren die beiden Fräulein
