 jungen Eheleute, und
wollen alles im Hause anordnen. Nichts kann man ihnen recht tun. Hiezu kommt
noch, dass das Alter sie ohnehin mürrisch und verdrießlich und mit sich selbst
und der ganzen Welt unzufrieden macht. Haben nun die Eheleute einen kleinen
Zwist untereinander, so tritt der Schwiegervater oder die Schwiegermutter auf
die eine oder andere Seite und vergrößert den Streit, statt dass diese Alten ihn
schlichten und die streitenden Parteien versühnen sollten.«
    Lässt es sich wohl denken, dass der sittsame Sebaldus auf eine so plumpe Art
alle Schwiegereltern, die bei ihren Kindern wohnen, habe öffentlich von der
Kanzel herab beschimpfen wollen? Dass er dieses vor Bauern habe tun wollen,
welche ihre Schwiegereltern gewiss bloß, wenn sie aus Armut oder aus Alter und
Schwachheit ihren eigenen Acker nicht mehr bauen können, bei sich haben werden?
Zwar wird S. 12 den Zuhörern empfohlen, dass sie ihre Schwiegereltern in Ehren
halten, ihrem guten Rate folgen und sie pflegen sollen; aber wie werden sie das
tun, wie werden sie ihre Schwiegereltern auch nur im Hause leiden wollen, wenn
der Prediger diese schon vorher als die bösartigsten, verdriesslichsten,
zänkischsten Geschöpfe abgeschildert hat, die zu den Hauptursachen der ehelichen
Uneinigkeit gehören, die bei den häuslichen Zwistigkeiten Öl ins Feuer gießen,
die einen Streit vergrößern, anstatt ihn zu schlichten? Dieses unbedachtsame
Epiphonema sieht dem stolzen Erasmus sehr ähnlich, der wirklich mit seiner
Schwiegermutter anfänglich in einem Hause wohnte, hernach aber mit ihr in
beständiger Uneinigkeit lebte, nachdem sie ihm sehr vernünftige Vorstellungen
darüber gemacht hatte, dass er das Vermögen ihrer Tochter aus Eitelkeit
verschwende, daher er sie wohl oft mag abgekanzelt haben.
    Auch von der folgenden Predigt wider die Prozesse ist derselbe
höchstwahrscheinlich der Verfasser. Man findet darin S. 18 unter andern folgende
sehr anstössige Stelle: »Der Advokat müsse ein allzu uneigennütziger Mann sein,
wenn er euren Rechtshandel nicht so lange auszudehnen suchte, als es möglich
ist, um recht vieles von euch einzunehmen. Es hat zwar den Anschein, als wenn
kein Advokat diese Absicht hätte, denn zuerst sucht er euch gemeiniglich mit
eurem Gegner zu vergleichen, oder es wird, wie man sich ausdrückt, ein Termin
zur Güte angestellt. Habt ihr aber jemals gehört, dass ein Termin zur Güte einen
erwünschten Erfolg gehabt hätte? Der Advokat müsste seinen Vorteil gar nicht
verstehen, wenn er nicht, statt euch mit eurem Gegner zu vergleichen, in euch
eine größere Lust erweckte, dem Rechte seinen Lauf zu lassen.« Ferner S. 22:
»Der größte Teil der Leute von diesem Stande scheint den Eigennutz zu seinem
Gott gemacht zu haben, den er allein anbetet und dem er Ehre, Gewissen,
Redlichkeit, alles aufopfert ...« und so weiter
