, wozu nur Rechnen und Schreiben
gefordert ward und das doch an achthundert Gulden eintrug. Elardus aber, der die
Würde des gelehrten Standes gehörig zu schätzen wusste, wies ein solches
Anerbieten mit Verachtung von sich. Indes ließ er sich nach nochmaligem
zweijährigem Harren bereden, die Stelle eines Konrektors an einer lateinischen
Schule anzunehmen, die ebenderselbe Fürst, um des ungestümen Anhaltens seiner
Landstände loszuwerden, in seiner Residenz gestiftet hatte. Hier waren ihm
zwanzig Gulden fixes Gehalt, ein halber Wispel Roggen, etwas Flachs und andere
Naturalien nebst freier Wohnung ausgesetzt, welche letztere aber vorderhand
wegen Baufälligkeit nicht gebraucht werden konnte. Alles war ungefähr auf
achtzig Gulden geschätzt, weil der Fürst der gnädigsten Meinung war, den Lehrern
der Jugend in seiner Residenz nur ungefähr den zehnten Teil dessen zukommen zu
lassen, was die Erzieher seiner Pferde und Hunde forderten. Die Geheimen Räte
des Fürsten hielten dies für sehr billig; teils weil es ungleich leichter sein
müsse, vernünftige Menschen zu erziehen als unvernünftige Bestien abzurichten,
teils weil jedes Schulkind noch wohl wöchentlich einen oder zwei Groschen
Schulgeld geben könne, welches die Füllen und jungen Hunde nicht aufzubringen
vermöchten.
    Unglücklicherweise hatte der ehrliche Elardus nicht recht gelernt, was zu
einem tüchtigen Schulmanne erforderlich ist. Im Hebräischen war er beim kleinen
Danz stehengeblieben, im Griechischen konnte er zwar ziemlich ohne Anstoß das
Neue Testament und die goldenen Sprüche des Pythagoras exponieren, mehr aber
nicht; und ob er zwar Lateinisch ganz gut verstand, um es zu lesen, so wollte es
doch mit der lateinischen Schreibart nicht recht fort, und Verse konnte er in
dieser Sprache gar nicht machen. Es ist wahr, er besaß einen ziemlich guten
natürlichen Verstand, hatte ferner seine Muttersprache so gut in seiner Gewalt,
dass er einen ganz artigen deutschen Aufsatz machen konnte, welches er auch seine
Schüler lehrte und sich dabei alle Mühe gab, ihnen von Geographie, Geschichte,
Sittenlehre und andern Sachen, wovon er glaubte, dass sie in der Welt zu brauchen
sein möchten, einige Begriffe beizubringen. Weil aber die Einwohner der Residenz
ihre Söhne in der längst erwünschten neuen lateinischen Schule nun auch zu recht
gelehrten Leuten erzogen wissen wollten, so hatten sie zu des Elardus deutscher
Lehrart gar kein Vertrauen, sondern schickten ihre Kinder in die Privatstunde
zum Rektor, einem grundgelehrten Manne, der alle halbe Jahre ein lateinisches
Programm schrieb, der die Altertümer lehrte und außer den gewöhnlichen gelehrten
Sprachen noch Syrisch, Arabisch und Samaritanisch verstand. Der gute Elardus
musste sich also sehr schlecht behelfen, wenigstens des Tages zwölf Stunden
öffentlich lehren und Privatunterricht im Deklinieren, im Rechnen und so weiter
geben. Daneben, weil er nie seinen sehnlichen Wunsch vergaß, sich einst aus dem
Schulstaube zu dem Predigerstande zu erheben, arbeitete er bis nach Mitternacht
an
