, der Domine habe die Meinungen des Buchs für
unschädlich gehalten und geglaubt, man könne sie dulden, so würde man noch das
rechte Ziel nicht treffen; denn er war gar nicht geneigt, sie zu billigen.
    Kurz, um alles zu erklären, darf man nur wissen, dass Domine de Hysel, so wie
mehrere ehrwürdige Männer, sich bloß deswegen mit theologischen Studien
beschäftigt hatte, um ein geistliches Amt zu erhalten. Da nun dieser Zweck
erreicht war, bekümmerte er sich, seine notwendigsten Amtsgeschäfte ausgenommen,
um geistliche Angelegenheiten ganz und gar nicht und war daher gegen Ortodoxie
und Heterodoxie, gegen Duldung und Verfolgung eigentlich völlig gleichgültig. Er
würde durch Aufmerksamkeit auf diese Dinge auch nur an seiner
Lieblingsbeschäftigung, an dem süßen Umgange mit den lieblichen Musen Latiens,
gehindert worden sein; denn er wendete alle seine Zeit auf das Studium der
lateinischen Sprache, die er in gesuchter Reinigkeit schrieb. Besonders machte
er die zierlichsten lateinischen Gedichte, und er hatte kürzlich einen Band
davon drucken lassen, wovon er nur vor acht Tagen dem ehrlichen Sebaldus als
Verfasser eines gelehrten Journals ein schön gebundenes Exemplar gesendet hatte,
mit einer hineingeschriebenen Karmine elegiaco abgefassten Epistel ad Sebaldum
Aporiagkyrobolion V. Kl. Nun befürchtete er, dass wenn er sich in diese Sache
mengen wollte, wovon er ohnedies keinen Zweck absah, könnten seine Gedichte, für
die er eine große Zärtlichkeit hegte, einem widrigen Urteile ausgesetzt sein;
daher hielt er's fürs sicherste, in dieser Sache nicht mit zu erscheinen.
    Übrigens sagte er darin keine Unwahrheit, dass er vorigen Tag auf Sebaldus'
Vorlesung nicht achtgegeben habe; denn da er kein Liebhaber von Prose, am
allerwenigsten von holländischer war, so hatte er während dem Lesen eine
sapphische Ode auf den Dordrechtschen Synod zu Ende bringen wollen, wozu ihm
noch ein paar Ausgänge von Strophen fehlten. Wirklich vernahm er also damals
wenig von dem Inhalte der Handschrift und wusste es jetzt dem Buchhändler
schlechten Dank, dass er ihn damit bekannt machte; ja er würde sich vor demselben
haben verleugnen lassen, wenn er dessen Anbringen nur hätte vermuten können.
    Van der Kuit ging voll Kopfschüttelns über seine fehlgeschlagene Erwartung
nach Hause, als ihm plötzlich einfiel, dass noch nichts verloren wäre, wenn
Sebaldus nur glauben wollte, dass Domine de Hysel wirklich gesagt hätte, was van
der Kuit wünschte, dass er gesagt haben möchte. Er kehrte wieder um und ging zum
Sebaldus, den er nach dem gestrigen Spaziergange und einem ruhigen Schlafe
wohlbehaglich bei Durchlesung eines neuen Buchs antraf, worin er so viel gute
Gedanken, so viel menschenfreundliche Gesinnungen fand, dass dadurch sein Herz zu
allen angenehmen Eindrücken geöffnet war.
    Der Buchhändler erzählte ihm gleich, mit angenommener ängstlicher Miene, dass
Domine de Hysel erst die Handschrift und
